Dass man als Schauspielerin in Hollywood spätestens nach dem 60. Geburtstag bestenfalls noch die Oma des jungen Helden spielen darf, ist zum Glück keine eiserne Regel mehr. Zu sehr hat sich nicht nur unsere Vorstellung vom Alter verändert. Auch die Film-Industrie hat ein etwas reiferes Publikum als Zielgruppe entdeckt, die das Kino noch dem Smartphone vorzieht. Dass allerdings gleich vier Frauen im Senioren-Alter im Zentrum eines Films stehen, so wie es nun bei „Book Club – Das Beste kommt noch“ der Fall ist, ist tatsächlich noch immer eine Ausnahme.

Die Komödie von Bill Holderman erzählt von vier Freundinnen mit unterschiedlichen Lebenswegen, die sich regelmäßig bei mehreren Gläsern Wein zu ihrem Buchclub treffen. Vivian (Jane Fonda) betreibt ein Luxus-Hotel und ist eher der Typ für kurze Abenteuer als für feste Bindungen. Diane (Diane Keaton) trauert um ihren Ehemann und erwägt, bei ihrer erwachsenen Tochter im Keller einzuziehen. Sharon (Candice Bergen), eine angesehene Richterin, ist 15 Jahre nach ihrer Scheidung immer noch Single. Und der verheirateten Carol (Mary Steenburgen) fehlt in ihrer Ehe der Pep.

Mit "50 Shades Of Grey" fängt es an

Die Lektüre von „50 Shades Of Grey“ hat zur Folge, dass im Liebesleben aller vier Frauen ein paar Turbulenzen einziehen, sei es in Form von erstmals ausprobierten Dating-Apps und erektionsfördernden Mitteln oder einfach nur in Gestalt von Don Johnson und Andy Garcia. Und keine Frage: Dass wir heutzutage im Kino vier wunderbaren Schauspielerinnen, von denen keine jünger ist als 65 Jahre, zusehen dürfen, bei denen sich fast alles um Sex und Paarungsverhalten dreht, ist eine überaus erfreuliche Entwicklung.

Zu schade, dass „Book Club“ kein gelungener Film ist. Drehbuch und Regie verwechseln Witz und Timing mit Hysterie und Plumpheit, und statt seine Protagonistinnen als smarte, selbstbewusste Frauen zu zeigen, reduziert Holderman sie auf Banalitäten und Verhaltensweisen, die in den seltensten Fällen etwas mit glaubwürdiger Lebenserfahrung zu tun haben. So durchweht eine unangenehme Künstlichkeit die Geschichte, zu der sich dann auch noch die enttäuschend reaktionäre Botschaft gesellt, dass zum eigentlichen Glück eben doch immer ein Mann gehört. Zu schade, denn diese vier Ausnahme-Schauspielerinnen – genauso wie das Publikum – hätten Besseres verdient.