Wir leben, was das Kino angeht, schon lange im Zeitalter der Fortsetzungen, und natürlich hat man sich als Zuschauer längst daran gewöhnt. Kann ja auch sehr nett sein: Was einmal Spaß gemacht hat, tut es mit etwas Glück auch noch ein zweites Mal. Und vielleicht sogar ein drittes. Allerdings ist das Publikum auch mit einer anderen Entwicklung hinreichend vertraut, denn die Qualität des Originals zu halten, ist alles andere als ein Kinderspiel – und so ist dann aus den meisten Filmreihen nach zwei oder drei Sequels auch endgültig die Luft raus. Auf fünf Fortsetzungen bringt es kaum ein sogenanntes Franchise. Doch für jede Regel gibt es eine Ausnahme. Womit wir bei „Mission: Impossible – Fallout“ wären, der nicht nur der sechste Film in dieser Reihe ist, sondern sogar – wo gibt’s denn so was? – der beste seit dem ersten, der 1996 in die Kinos kam.

Finstere Pläne

Ethan Hunt (Tom Cruise) ist natürlich nach wie vor für die IMF im Einsatz, jene umstrittene Unterorganisation der CIA, die rund um die Welt für die schier unmöglichen Fälle zuständig ist. Oberstes Ziel für den Geheimagenten ist es noch immer, dem Terroristen Solomon Lane (Sean Harris) das Handwerk zu legen. Der sitzt, Hunt sei Dank, zwar im Gefängnis, doch die Reste seiner Organisation hegen finstere Plutonium-Pläne. Als ein Einsatz von Hunt und seinen erprobten Mitstreitern Benji (Simon Pegg) und Luther (Ving Rhames) in Berlin schief geht, bringt das entsprechend nicht nur ihren Vorgesetzten (Alec Baldwin) in die Bredouille, sondern letztlich die ganze Welt, um die hier natürlich wieder in aufwändig gefilmten Bildern gereist wird.

 

Mit diesem Plot knüpft „Mission: Impossible – Fallout“ zwar direkt an den Vorgänger von vor drei Jahren an, doch eigentlich muss man weder mit „Rogue Nation“ noch irgendeinem anderen Teil der Filmreihe vertraut sein, um dem Geschehen folgen zu können. Nicht nur dadurch unterscheidet sich der Film (den wieder Christopher McQuarrie inszeniert und geschrieben hat) von fast allen vergleichbaren Blockbuster-Produktionen dieser Tage. Auch auf eine Extraportion Düsternis, womöglich kombiniert mit mehr oder weniger unsubtilen Verweisen auf gegenwärtige weltpolitische Entwicklungen, wird hier verzichtet.

Besser denn je sind auch die Figuren und ihre Darsteller. Rebecca Ferguson ist als Isla Faust – womöglich die interessanteste weibliche Action-Heldin der vergangenen Jahre – dankenswerterweise wieder mit von der Partie, dazu gesellen sich mit Vanessa Kirby („The Crown“) als zwielichtiger Waffenhändlerin und Angela Bassett als CIA-Chefin zwei weitere starke Schauspielerinnen. Und Letztere schickt mit dem schnurrbärtigen Henry Cavill (um Längen charismatischer als in seiner Superman-Rolle) ihren Handlanger ins Rennen, der für Hunt Verbündeter und Gegenspieler gleichermaßen sein könnte.

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Paraderolle für Tom Cruise

Letztlich allerdings dreht sich natürlich alles um Tom Cruise, der nach zuletzt mauen Auftritten in Filmen wie „Die Mumie“ in seiner Paraderolle endlich wieder unter Beweis stellt, warum er als einer der letzten großen Film-Stars gilt. Nicht dass man ihm seine 56 Jahre inzwischen nicht hier und da anmerken würde. Doch seine körperliche Fitness ist schon ziemlich beeindruckend, zumal das Wissen, dass der Star seine Stunts stets selbst dreht (und sich dieses Mal auch so schwer am Bein verletzte, dass die Dreharbeiten für mehrere Wochen unterbrochen werden mussten), längst fester Bestandteil der „Mission: Impossible“-Mythologie ist.

Tatsächlich sind es dann auch die Stunts bzw. die Action-Szenen, die diesen rastlosen (und nur leicht zu langen) Film zum sehenswertesten und unterhaltsamsten seiner Art nicht nur in diesem Jahr machen. Mindestens drei Sequenzen – eine Toiletten-Prügelei in Paris, eine Verfolgung zu Fuß durch und über London sowie eine Helikopter-Jagd mit Folgen in Kaschmir – sind mit spektakulär fast unzureichend beschrieben. Selbst wenn man „Mission: Impossible – Fallout“ nicht in der 3D-Version sieht, die in diesem Fall nicht den geringsten Zusatzspaß bietet.