Kein Dokumentarfilmer ist so bekannt wie der amerikanische Oscar-Preisträger Michael Moore, aber auch keiner ist so umstritten: Weil er unverhohlen Stellung bezieht und dabei Positionen vertritt, die nicht allen passen. Dabei versteht Moore sich durchaus als Vertreter der Mehrheit, wie er in seinem jüngsten Film „Fahrenheit 11/9“verdeutlicht. Schließlich seien viele jener Forderungen, die noch vor 50 Jahren als radikal eingestuft worden seien, in der Mitte der Gesellschaft angekommen – unter anderem Umweltschutz. Entsprechende Statistiken bleibt er schuldig.

Moores Arbeiten waren immer schon wütende Pamphlete mit Unterhaltungswert. Der resultiert in der Regel aus den Spielfilmausschnitten, die er einsetzt, um Vorgänge zu kommentieren oder zu karikieren. Er gibt sich immer noch kämpferisch, aber „Fahrenheit 11/9“, eine Abrechnung mit dem Amerika von Donald Trump, hat eine unübersehbare resignative Note.

US-Filmemacher Michael Moore bei der Premiere von "Fahrenheit 11/9".
US-Filmemacher Michael Moore bei der Premiere von "Fahrenheit 11/9". | Bild: Valerie Macon / AFP

Die Anklage der größtenteils aus TV-Ausschnitten bestehenden Collage gilt keineswegs nur dem amtierenden US-Präsidenten, sondern dem gesamten politischen Establishment. Das schließt auch Trumps Vorgänger Barack Obama und Bill Clinton mit ein. Moore macht sie dafür verantwortlich, dass viele Wähler den Glauben an die Demokratie verloren haben. Wie konnte es so weit kommen?

Seine Sorge um Amerika verdeutlicht Moore anhand von Vergleichen zwischen Trump und Hitler. Das letzte Glied der Beweiskette bildet ein Schulfilm aus den 50er-Jahren, der zeigt, wie sich eine Demokratie schleichend in eine Diktatur verwandelt. Trumps Amerika erfüllt alle Bedingungen.