30 Jahre ist es her, dass die Dreharbeiten zu „Pretty Woman“ begonnen haben – und damit die Weltkarriere von Julia Roberts. Damals wurde sie zu „America’s Sweetheart“, doch zuletzt hat die 51-Jährige ihr Image um eine weitere Facette ergänzt. Denn spätestens nach der erfolgreichen Bestseller-Verfilmung „Wunder“ aus dem vergangenen Jahr könnte man ihr auch den Titel „Löwenmutter der Nation“ verpassen, wofür sie nun mit „Ben Is Back“ noch einmal Argumente liefert.

Als Holly Burns steht sie im Film von Peter Hedges vor einer großen Bewährungsprobe. Unmittelbar vor Weihnachten steht ihr ältester Sohn Ben (Lucas Hedges, Sohn des Regisseurs) vor der Tür, was Grund zur Freude und Besorgnis gleichermaßen ist. Denn eigentlich sollte er noch in der Entzugsklinik sein, in der er seit 77 Tagen gegen seine Drogensucht kämpft. Bei Bens Schwester Ivy (Kathryn Newton) und Hollys Mann Neal (Courtney B. Vance), mit dem sie in zweiter Ehe noch zwei Kinder hat, schrillen die Alarmglocken.

Fest im Schoß der Familie

Zu dunkel sind die Erinnerungen an die Tage, als Ben im idyllischen Eigenheim der Familie zusammenbrach oder sich mit dem Familienschmuck davonstahl. Doch Holly ist entschlossen, ihrem Ältesten ein Fest im Schoß der Familie zu gewähren, selbst wenn das bedeutet, dass vorher sämtliche Medikamente und Wertsachen weggeräumt werden und Ben nie unbeaufsichtigt bleibt. Zunächst scheint er sich unter Kontrolle zu haben. Aber als eingebrochen wird und der Hund verschwindet, überschlagen sich die Ereignisse.

Film setzt auf Zurückhaltung

Anders als „Beautiful Boy“, ein weiterer Film über Eltern und einen drogensüchtigen Sohn, der in zwei Wochen in die Kinos kommt, setzt Regisseur Hedges bei „Ben Is Back“ in jeder Hinsicht auf Zurückhaltung. Nicht nur ist der Look des Films einigermaßen spröde, er konzentriert sich auch ganz auf einen Zeitraum von nur 24 Stunden.

Damit verhindert Hedges zwar nicht, dass „Ben Is Back“ gegen Ende ins Melodramatische kippt, doch bis dahin entwickelt der Film eine eindringliche Emotionalität, die wirkungsvoll ist, weil nur en passant Details aus dem Familienalltag geliefert werden. Und weil die Erzählung um Mutter und Sohn gestrickt ist, bekommt Roberts die Gelegenheit, im Hin- und Hergerissen-Sein ihrer mütterlichen Gefühle so überzeugend aufzuspielen wie lange nicht.