Statt ein Interview zu geben, wird Hans Meyer (Manfred Zapatka) ermordet. „Von welcher Zeitung kommen Sie?“, sind die letzten Worte des Industriellen. Dann schießt der Täter aus nächster Nähe. Kurze Zeit später wird die Leiche in der Berliner Hotelsuite gefunden und ein 70-jähriger Italiener namens Fabrizio Collini verhaftet.

Das ist ein wahrer Fall, der sich 2001 ereignete – im anschließenden Prozess kam ein Justizskandal an die Öffentlichkeit. Ferdinand von Schirach machte die Geschichte 2011 zur Grundlage seiner Romanaufarbeitung „Der Fall Collini“. Nun hat Marco Kreuzpaintner den Stoff verfilmt und geht mit illustrer Besetzung der Frage nach: Was kann diesen Mann, der schweigend in seiner Zelle sitzt, zu dieser Tat bewogen haben?

Reise in die Vergangenheit

Was zunächst nach einer klaren Angelegenheit aussieht, entpuppt sich als das Gegenteil. Für den unerfahrenen Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek), der Collini (Franco Nero) als Pflichtverteidiger an die Seite gestellt wird, ist es eine Herausforderung, die ihn mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Zwar bekommt er vom Staatsanwalt (Heiner Lauterbach) einen Deal angeboten, durch den der Täter mit einer kürzeren Strafe davonkäme. Doch trotz des langen Schweigens des Italieners tauchen schließlich Indizien auf, die den Rechtsanwalt weiterforschen lassen. Die Ermittlungen, die er auch gegen den Widerstand der Enkelin des Opfers (Alexandra Maria Lara) anstellt, führen nach Italien und zurück in die Nazi-Zeit, zu Kriegsverbrechen und zu den Verstrickungen der bundesrepublikanischen Politik der 1960er-Jahre.

Elyas M'Barek kann auch ernst

Darstellerisch bewegt sich „Der Fall Collini“ auf sehr solidem Niveau – vor allem M’Barek bekommt überzeugt in der ernsten Rolle. Der Film hat andere Schwächen und leidet daran, dass Kreuzpaintner den Roman nicht in ein subtiles Drama übersetzen kann. Die Geigen der Filmmusik hängen tief wie graue Wolken über dem Geschehen, um es dramatisch aufzublähen, und die Mechanik, mit der die unterschiedlichen Aspekte der Handlung entwickelt werden, ist allzu deutlich sichtbar.

„Der Fall Collini“ wird immer wieder von einer seltsamen Trägheit ergriffen. Doch gerade, als der Film zu implodieren droht, kriegt er die Kurve, indem der Mordfall noch einmal eine ganz andere Dimension bekommt. Das ist zweifellos interessant und spannend. Nur Kreuzpaintners Inszenierung kann trotz bester Absichten nicht ganz mithalten.