Es hat eine Weile gedauert, aber nun sind sie wieder vereint. Die Rede ist nicht von Martina Gedeck und Ulrich Tukur. Die beiden beweisen zwar auch in der bissigen Komödie „Und wer nimmt den Hund?“, wie gut sie miteinander harmonieren, haben aber zuletzt noch für „Gleißendes Glück“ (2016) gemeinsam vor der Kamera gestanden.

Nein, es geht um Regisseur Rainer Kaufmann und Drehbuchautor Martin Rauhaus. Der eine ist mit allen nur denkbaren deutschen Film- und Fernsehpreisen geehrt worden, der andere gilt als einer der besten Dialogschreiber.

Der Hund sitzt mit am Tisch: Georg (Ulrich Tukur) und Doris (Martina Gedeck).
Der Hund sitzt mit am Tisch: Georg (Ulrich Tukur) und Doris (Martina Gedeck). | Bild: Majestic Filmverleih / dpa

Gemeinsam haben sie vor zehn Jahren das boshaft-heitere TV-Drama „Ein starker Abgang“ geschaffen. Vom Tonfall her knüpft „Und wer nimmt den Hund?“ daran an: Was sich die beiden Hauptfiguren an den Kopf werfen, ist teilweise von ausgesuchter Bösartigkeit.

Nach 25 Ehejahren eröffnet ein Mann (Tukur) seiner konsternierten Frau (Gedeck), er habe eine Jüngere kennengelernt und wolle noch mal von vorn anfangen. Weil das Paar im Guten auseinandergehen möchte, nehmen Georg und Doris die Dienste einer Trennungsbegleiterin (Angelika Thomas) in Anspruch – die Besuche bei der Therapeutin bilden die Rahmenhandlung.

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Einschübe sorgen für verblüffende Kontrapunkte: Beim Gespräch mit der Psychologin macht Doris einen gefassten Eindruck, aber die Rückblende zeigt, wie sie ihre Wut an Georgs Auto auslässt. Auch sonst hat Rauhaus das Genre nicht neu erfunden, zumal sich das Dreiecksverhältnis zeitweise zur doppelten Paarbeziehung wandelt.

Tukur und Gedeck können sich nicht über mangelnde darstellerische Herausforderungen beklagen, aber die Dialoge von Rauhaus sind auch dieses Mal etwas Besonderes. Eher konventionell ist dagegen Kaufmanns Inszenierung. Stilistisch entspricht „Und wer nimmt den Hund?“ der Machart eines Fernsehfilms. Überflüssig ist die wie eine TV-Doku gestaltete Klammer, wenn Georg und Doris in die Kamera sprechen.

Fast wie eine Doku

Andererseits hat die Komödie tatsächlich dokumentarischen Charakter, weil Rauhaus die gegenseitigen Vorwürfe dem Leben abgeschaut hat. Die Realitätsnähe gipfelt in Georgs Bilanz, die viele Paare nachvollziehen können: Erst haben die Liebenden verrückte Dinge gemacht, dann kamen die Kinder und mit ihnen der Alltag, und „irgendwann war einfach die Luft raus“. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.