Filme, die sich im weitesten Sinne mit dem Nahostkonflikt auseinandersetzen, kommen in unterschiedlicher Form daher. Häufig sind es Dokumentationen, während für Spielfilme nicht selten eine historische Perspektive gewählt wird. Wenn das Setting ein heutiges ist, sind mindestens in Israel und Palästina Kontroversen programmiert.

Wohl auch aus diesem Grund ist die Komödie nicht gerade das präferierte Genre, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Dabei kann das ganz wunderbar funktionieren, wie nun der Film „Tel Aviv On Fire“ belegt.

Fiktive Seifenoper

Den Titel verdankt der Film des arabisch-israelischen Regisseurs Sameh Zoabi einer fiktiven palästinensischen Seifenoper, die im Zentrum des Geschehens steht. Salem (Kais Nashef), ein Palästinenser aus Ost-Jerusalem, arbeitet als Assistent bei den Dreharbeiten der Serie, die ebenso melodramatisch wie anti-israelisch von einer Spionage-Romanze aus der Zeit des Sechstagekrieges erzählt.

Jeden Tag muss Salem auf dem Weg nach Ramallah einen Grenzkontrollpunkt passieren, wo ihn irgendwann der israelische Kommandant Assi (Yaniv Biton) aufhält. Der ist bestens mit der trashigen Show vertraut, ist doch seine Frau einer ihrer leidenschaftlichsten Fans.

Schauspieler Kais Nashef spielt die Hauptrolle in „Tel Aviv On Fire“ – dafür wurde er 2018 beim Filmfest in Venedig ausgezeichnet.
Schauspieler Kais Nashef spielt die Hauptrolle in „Tel Aviv On Fire“ – dafür wurde er 2018 beim Filmfest in Venedig ausgezeichnet. | Bild: Alberto Pizzoli / AFP

Um sie zu beeindrucken, fordert Assi von Salem, den er für einen Drehbuchautor hält, bestimmte Handlungsstränge auf dem Bildschirm zu sehen, anderenfalls würde er seinen Pass nicht wiederbekommen. Das ist natürlich nur der Anfang von weiteren Irrungen und Wirrungen.

Bittere Ironie und überbordende Albernheit wechseln sich in dieser Satire fröhlich ab, und Regisseur Zoabi, der schon mit „Ein Lied für Nour“ über einen singenden Taxifahrer sein Händchen für Feelgood-Geschichten bewies, hält den Tonfall dabei stets leichtfüßig, heiter und vor allem menschelnd.

Politische Komödie

Kriegerisches Blutvergießen und andere wenige spaßige Auswüchse der Situation im Nahen Osten spielen entsprechend in „Tel Aviv On Fire“ keine Rolle. Unpolitisch ist der Film, dem es nicht unbedingt um Realismus geht, deswegen aber noch lange nicht.

Im Gegenteil: Durch die Verknüpfung mit dem Wahnsinn vor und hinter der TV-Kamera macht Zoabi mehr als deutlich, wie grotesk die politische Situation vor allem im alltäglichen Leben oft ist. Nicht zuletzt, wenn die Gegensätze – und sei es auch nur in Sachen Seifenopernkonsum – gar nicht so groß sind.

Daraus lassen sich keine tiefschürfenden neuen Erkenntnisse und erst recht keine Lösungsansätze gewinnen. Aber Spaß macht der erfrischende Blick auf das konfliktreiche Verhältnis zwischen Israel und Palästina auf jeden Fall.