Wenn es um angekündigten Ruhestand geht, ist Künstlern nicht zu trauen. Über kurz oder lang zieht es die meisten doch zurück auf die Bühne, hinter die Kamera oder davor. Gerade jemandem wie dem einstigen Vielfilmer Steven Soderbergh wollte man seine Regie-Rente deshalb nicht abnehmen. „Logan Lucky“ ist nun der Titel seines Regie-Comebacks. Um einen drängenden Stoff handelt es sich dabei nicht – zum Warmlaufen nach längerer Abstinenz ist der Unterhaltungsfilm gut geeignet.

Der Regisseur kehrt zurück in ein Genre, das es ihm seit der „Ocean’s“-Trilogie angetan hat: zur Heist-Komödie, einem Gaunerstück über minutiös durchgeplante Überfälle. Im Zentrum stehen zwei unterschiedliche Brüder. Channing Tatum spielt Jimmy Logan, einen Arbeiter und geschiedenen Familienvater, der mal große Chancen auf eine Karriere als Football-Spieler hatte. Nachdem er gescheitert ist, driftet er von einem Job zum anderen und verliert zu Beginn des Films seine Anstellung auf einer Baustelle. Als ihm seine Ex-Frau (Katie Holmes) eröffnet, dass sie mit ihrer Tochter umziehen will, braucht er Geld für einen Anwalt.

Also tüftelt er an einem Plan, die Einnahmen eines Auto-Rennens zu rauben. Dafür holt er nicht nur seinen Bruder Clyde (Adam Driver) an Bord, der versehrt von einem Irak-Einsatz zurückkam und nun als einarmiger Barkeeper arbeitet. Er braucht auch die Hilfe des Sprengstoff-Spezialisten Joe Bang (Daniel Craig). Das Problem: Bang sitzt im Knast und muss für den Coup nicht nur unbemerkt rausgeholt, sondern auch wieder reingebracht werden.

Wie in jedem guten Heist-Film macht es auch in „Logan Lucky“ einen großen Reiz aus, wie das Überfall-Personal den Coup in die Tat umsetzt – und Soderbergh inszeniert das einmal mehr wie ein feines Räderwerk, bei dem bis ins absurdeste Detail alles durchgeplant ist und präzise umgesetzt werden muss. Mit angenehm beschleunigtem Tempo und pointierten Dialogen ist das ein raffiniertes, überraschendes Vergnügen.

„Das ist wie ‚Ocean’s Eleven’-Light“, heißt es in einem Fernsehbericht, der im Film nach dem Überfall zu sehen ist – eine augenzwinkernde Selbstreferenz. „Logan Lucky“ wirkt wie ein hemdsärmeliges Gegenstück dazu. Statt der Spieler-Hochburg Las Vegas aus den „Ocean’s“-Filmen ist der Schauplatz das ländliche Amerika. Statt der schicken Gentleman-Gangster sind Ganoven zugange, die zwar strauchelnde Existenzen, aber unter der rauen Schale ganz nette Kerle sind. Abgesehen von einem Gespür für die auf den Punkt entworfenen Figuren zeichnet Soderbergh ein Bild der einfachen Leute in den US-Südstaaten – und weist so beiläufig über reine Unterhaltung hinaus.

 

Abspann

Regie: Steven Soderbergh

Darsteller: Channing Tatum, Daniel Craig, Adam Driver, Katie Holmes

Länge: 119 Minuten

FSK: freigegeben ab 12 Jahren

Fazit: Steven Soderberghs gelungenes Comeback mit einem ausgetüftelten Gangster-Coup, der viel Spaß macht.

Der Trailer zum Film