Er sei das Beste, was dem US-Independent-Kino in den vergangenen Jahren passiert ist, sagen nicht wenige über Taylor Sheridan, der sich nach einer mäßig erfolgreichen Schauspieler-Karriere („Sons Of Anarchy“) als Drehbuch-Autor versuchte. Große Worte, die andere womöglich unter Druck gesetzt hätten, doch Sheridan hat sich vom Erfolg seiner Skripte zu „Sicario“ und „Hell Or High Water“ viel mehr beflügeln lassen – und für „Wind River“ nun sogar auf dem Regiestuhl Platz genommen.

Seine erste eigene Inszenierung beginnt rasant: In einer nächtlichen Schneelandschaft läuft eine junge Frau um ihr Leben. Ein paar Tage später wird Wildhüter Cory Lambert (Jeremy Renner) die Leiche finden – eine vergewaltigte 18-Jährige, gestorben in einem Reservat in der Ödnis von Wyoming. Schnell gilt ihr Tod als Mordfall, weshalb außer der Reservats-Polizei auch das FBI eingeschaltet wird. Doch weil Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) weder mit der Witterung noch mit den Regeln des Reservats vertraut ist, bittet sie Lambert um Hilfe. Er ist der einzige Weiße, der auf dem Gebiet der Ureinwohner jagen darf, war mit einer Frau des Stammes verheiratet und leidet unter dem Tod seiner Tochter, die mit dem Opfer befreundet war. Bald kommt das Duo der Wahrheit auf die Spur.

„Wind River“ baut in kürzester Zeit eine dichte Atmosphäre auf, fängt in bemerkenswerten Bildern die Macht der Natur und die Trostlosigkeit des Reservats ein und dreht immer weiter an der Spannungsschraube. Dazu kommt ein Protagonist, wie er im US-Kino eine Seltenheit ist: trotz des persönlichen Traumas bodenständig, zuverlässig und hart arbeitend – und unerschrocken den eigenen Emotionen gegenüber. Jeremy Renner hat man selten so gut gesehen.

Am Ende ist „Wind River“ aber doch nicht mehr als ein solider Thriller. Olsens FBI-Agentin ist nicht nur die Fremde, sondern auch die, der der männliche Held helfen muss. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass Sheridan es mit Frauenfiguren nicht so hat. Nicht unproblematisch ist, dass er die in der Welt der amerikanischen Ureinwohner angesiedelte Geschichte über zwei weiße Protagonisten erzählt. Die größte Schwäche des Films aber ist sein Schluss. Zwei Mal setzt „Wind River“ zum Showdown an, wobei jegliche Subtilität flöten geht. Schade, denn dass Sheridan das Zeug dazu hat, zur interessantesten Stimme des US-Kinos zu werden, lässt sich durchaus erkennen.

Abspann

Regie: Taylor Sheridan

Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Jon Bernthal, Gil Birmingham

Länge: 107 Minuten

FSK: freigegeben ab 16 Jahren

Verleih: Wild Bunch

Fazit: Ein durchaus spannender, aber nicht unproblematischer Thriller.

 

Der Trailer zum Film: