Aus dem Stand empfahl sich Jordan Peele, bis dato vor allem als Comedian bekannt, vor zwei Jahren mit „Get Out“ als strahlender neuer Stern am Regie-Himmel Hollywoods. Sogar einen Oscar brachte ihm der satirische Horrorfilm zum Thema Rassismus ein. Nun beweist der Amerikaner mit seinem zweiten Film „Wir“, dass er alles andere als eine Eintagsfliege ist.

Dass es auch dieses Mal gehörig gruselig zugeht, macht in „Wir“ gleich der Prolog klar, in dem ein kleines Mädchen in den 80ern auf dem Jahrmarkt einer kalifornischen Strandpromenade zumindest vorübergehend verloren geht. Viele Jahre später kehrt Adelaide (Lupita Nyong’o) samt Ehemann Gabe (Winston Duke) und den beiden Kindern für einen Sommerurlaub zurück in das Haus ihrer Kindheit.

Düstere Vorahnungen

Von Entspannung kann allerdings keine Rede sein, denn schon die Aussicht auf einen Tag an besagtem Strand, an dem noch immer das unheimliche Spiegellabyrinth steht, lässt ihr Unwohlsein und düstere Vorahnungen steigen. Am gleichen Abend stehen vier unheimliche Gestalten in der Einfahrt, die Adelaide und ihrer Familie erschreckend ähnlich sehen.

Die andere Familie Wilson (von links: Winston Duke, Shahadi Wright Joseph, Evan Alex und Lupita Nyong'o).
Die andere Familie Wilson (von links: Winston Duke, Shahadi Wright Joseph, Evan Alex und Lupita Nyong'o). | Bild: Universal Pictures

Was als Mischung aus Doppelgänger-Geschichte und sogenanntem Home-Invasion-Horror (sprich: Fremde dringen in die eigenen vier Wände ein) beginnt, steigert sich im Verlauf von „Wir“ zu einem einigermaßen fantastischen Albtraum, der weit über den kleinen Familienkreis hinausgeht.

Viel mehr sollte an dieser Stelle keinesfalls verraten werden, um den Unterhaltungswert des Films nicht unnötig zu mindern. Trotzdem darf angemerkt sein, dass Peele seine Geschichte im letzten Drittel ein wenig aus dem Ruder laufen lässt, bis sie ein bisschen zu viel Logik einbüßt und die Bodenhaftung verliert, die „Get Out“ – bei aller Überzeichnung – umso beklemmender machte.

Gabe Wilson (Winston Duke) und seine Tochter Zora (Shahadi Wright Joseph) kämpfen in "Wir" mehr oder weniger gegen sich selbst.
Gabe Wilson (Winston Duke) und seine Tochter Zora (Shahadi Wright Joseph) kämpfen in "Wir" mehr oder weniger gegen sich selbst. | Bild: Universal Pictures

Was den langsamen Spannungsaufbau angeht, erweist sich der Regisseur als Meister. Die Angst ist weniger ein aus der Realität erwachsendes Unbehagen, dafür sind die Schreck- und Schockmomente umso effektiver.

Vor allem legt Peele ein erstaunliches Gespür fürs Visuelle (Kameramann Mike Gioulakis sorgt für Bilder, die lange nachwirken) sowie den Einsatz von Musik an den Tag – und verwebt höchst raffiniert das Grauen mit einer guten Portion Witz und Ironie. Wie obendrein Oscar-Gewinnerin Nyong’o in ihrer (Doppel-)Rolle zu großer Form aufläuft, wäre allerdings schon allein die Eintrittskarte wert.