Es gibt viele berühmte Bären, doch Winnie Puuh ist einzigartig. Nicht zuletzt, weil schon die Erwähnung seines Namens die unterschiedlichsten Assoziationen weckt. „Wenn ich an Winnie Puuh denke, fallen mir als erstes die Zeichnungen von E.H. Shephard ein“, sagt etwa der in Deutschland geborene und in der Schweiz aufgewachsene Regisseur Marc Forster.

Genauso gut lässt sich aber natürlich an die Geschichten von A.A. Milne denken, der Pu den Bär, wie er in Deutschland zunächst hieß, 1926 zum Leben erweckte. Oder an die Zeichentrick-Version des Honig-Liebhabers, mit der Disney ab den 1960er-Jahren in TV- und Kino-Abenteuern das Bild des Bären prägte. Selbst chinesische Philosophie kann einem in den Sinn kommen, so Forster. In sein Leben als Erwachsener jedenfalls hielt Winnie Puuh erst wieder Einzug, als er auf das Buch „The Tao of Pooh“ stieß.

Ein Bär, viele Versionen

Das Erstaunliche an Forsters Film „Christopher Robin“ ist, dass er all diese unterschiedlichen Ausprägungen seines plüschigen Protagonisten, zu dem sich Milne einst von einem Stofftier seines Sohns Christopher inspirieren ließ, zu einer einzigen Version zusammenfügt. Und das auf hinreißende Weise. 

Mit den Zeichnungen von Shephard eröffnet der Film, anschließend verabschiedet sich der junge Christopher Robin von seiner Kindheit – und damit von Winnie Puuh, Ferkel, Tigger und seinen anderen Freunden im Hundertmorgenwald. Als erwachsener Mann ist Christopher (Ewan McGregor) so sehr von seiner Arbeit als Rationalisierungsfachmann bei einer Gepäckfirma in Beschlag genommen, dass er nicht nur kaum Zeit für Ehefrau Evelyn (Haley Atwell) und Tochter Madeline (Bronte Carmichael) hat, sondern auch die Abenteuer von früher fast vergessen hat. Bis eines Tages Winnie Puuh auf der Parkbank vor seinem Haus sitzt.

Gelungener Spagat

Einen Film, der sowohl seiner Tochter gefällt als auch Erwachsene anspricht, habe er drehen wollen, sagt Forster im Gespräch mit dieser Zeitung. Sein Ziel erreicht er, in dem er Milnes Original ebenso Tribut zollt wie den Disney-Geschichten. Visuell gelingt der Spagat ebenso makellos wie die Kombination der realen Welt des menschlichen Helden mit seinen Kindheitsfreunden.

Das Erstaunliche an „Christopher Robin“ ist aber vor allem, wie wenig Forster die Melancholie scheut, um die heutige Wohlfühl-Unterhaltung für Kinder sonst einen großen Bogen macht. Die Botschaft, dass man das innere Kind nicht aus den Augen verlieren darf, mag dabei so naiv sein wie Winnie Puh selbst. Aber genauso liebenswert, komisch und rührend wie er und seine Freunde ist dieser Film eben auch.