Eine letzte Ausnahme gibt es noch. Danach ist erst einmal Schluss mit der ewigen Fortsetzerei bei den Pixar-Studios. Entgegen dem Hollywood-Trend soll es dann vorerst nur noch Originalstoffe von den Animationsprofis geben, die zuletzt vor allem mit originellen Geschichten wie in „Coco“ wieder zur Hochform zurückfanden.

Davor erlag auch Pixar lange Zeit der lukrativen Versuchung, großen Erfolgen neue Teile anzuhängen. „Finding Dory“ oder „Monster University“ waren dabei zwar durchaus sehr schöne Fortsetzungen – wirklich nötig waren sie nicht.

Der Neue heißt Forky

Allein bei der „Toy Story“-Saga handelte es sich in dieser Hinsicht seit jeher um eine Ausnahme, steigerte sich die Reihe doch mit jedem weiteren Teil. Ob das auch bei „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ der Fall ist?

Im vierten Abenteuer sind Cowboy Woody, Buzz Lightyear und all die anderen lebendigen Spielzeugfreunde nun im Kinderzimmer der kleinen Bonnie gelandet. Das Mädchen kommt demnächst in die Schule und bastelt dort bei einem Probetag aus ein paar Müllresten Forky, ein Spielzeug aus einer Gabel mit leicht irrem Blick, das Bonnie sofort tief in ihr Herz schließt.

Aus einer Plastikgabel bastelt das Mädchen Bonnie das Spielzeug Forky.
Aus einer Plastikgabel bastelt das Mädchen Bonnie das Spielzeug Forky. | Bild: Disney / Pixar / dpa

Als Forky auf dem Weg in den Kurzurlaub aus dem Wohnmobil springt, starten Woody und Co. eine Rettungsaktion, die sie unter anderem in ein Geschäft mit Vintage-Spielzeugen und auf einen Rummelplatz führt.

Rund zwei Jahrzehnte nach dem ersten Teil und Quantensprüngen in der Animationstechnik fühlt sich der „Toy Story“-Kosmos mit seinem Look und Randy Newmans jazziger Musik zwar sofort wieder vertraut an. Trotzdem bewegt er sich animationstechnisch und Pixar-typisch auf höchstem Animationsniveau.

Unglaubliche Fülle von Details

Ob mit den warmen Farben im Antiquitätenladen oder den Lichtern des Rummelplatzes: In seiner Fülle visueller und teils fotorealistischer Details sieht „Toy Story 4“ einfach ganz prachtvoll aus.

Entscheidender allerdings ist, dass das Tempo meist genauso hoch ist wie die Schlagzahl origineller Gags und Einfälle, die in das „Toy Story“-Universum purzeln, das frisch wie eh und je wirkt. Nicht nur der Charme der alten Spielzeug-Favoriten ist dabei noch intakt.

Buzz Lightyear in einer Szene von „A Toy Story 4: Alles hört auf kein Kommando“. Der Film kommt am 15. August 2019 in die deutschen Kinos.
Buzz Lightyear in einer Szene von „A Toy Story 4: Alles hört auf kein Kommando“. Der Film kommt am 15. August 2019 in die deutschen Kinos. | Bild: Disney / Pixar / dpa

Dass die erneute Fortsetzung funktioniert, liegt auch an den herrlichen Neuzugängen. Am Hasen und der Ente etwa, den beiden grellbunten Schießbuden-Kuscheltieren. Oder an Forky, der sich anfangs immer noch für Müll hält und seiner Bestimmung in jeden Mülleimer folgen will.

Regisseur Josh Cooley gelingt eine gute Balance aus rasanten Actionszenen und emotionaleren, für die Reihe typischen melancholischen Augenblicken. Denn auch wenn die Vorzeichen dieses Mal etwas anders sind, ist die Botschaft im Kern auch im vierten Teil unverändert. Auf gefühlvolle Weise werden Themen wie Abschied und Vergänglichkeit, Bestimmung und Einsamkeit in einen Familienfilm geschmuggelt.

Josh Cooley, Regisseur von „A Toy Story 4: Alles hört auf kein Kommando“, arbeitet für das Animationsstudio Pixar.
Josh Cooley, Regisseur von „A Toy Story 4: Alles hört auf kein Kommando“, arbeitet für das Animationsstudio Pixar. | Bild: Deborah Coleman / Pixar / dpa

Dabei spiegeln sich zumindest hier und da auch die Veränderungen in Sachen Diversität. Porzellinchen ist nun keine blasse Puppe mehr, sondern eine selbstbewusste Spielzeugfrau mit Energie und eigenem Kopf, während es mit dem Mädchen Bonnie erstmals eine junge Spielzeugbesitzerin mit dunklerer Hautfarbe gibt.

Mit Teil vier mögen zwar alle Zeichen auf Abschied stehen. Doch wenn ein weiteres „Toy Story“-Wiedersehen ein genauso großer, berührender, unterhaltsamer Spaß wäre wie dieses, könnte Pixar den Verzicht auf Fortsetzungen doch gern irgendwann noch einmal aussetzen – und mit einer weiteren Ausnahme die Regel bestätigen.