Lässt man Schweden beiseite, hat Astrid Lindgren nirgendwo auf der Welt so viele Fans wie in Deutschland. Ihre Geschichten über Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga oder Ronja Räubertochter, alle ebenso heiter wie spannend und von der großen Liebe zu Kindern geprägt, haben sich hierzulande 20 Millionen Mal verkauft.

Wer sich von „Astrid“ eine Begegnung mit den Helden seiner Kindheit erhofft, wird jedoch enttäuscht: Sie tauchen zwar kurz auf, aber nur in den Geburtstagsgrüßen für die betagte Autorin. Ein Junge will wissen, warum sie so gut über Kinder schreiben kann – nun setzt als lange Rückblende die Handlung ein.

Sie beginnt in den frühen 1920er-Jahren. Astrid (Alba August) ist das, was man einen Backfisch nannte: noch nicht richtig erwachsen, aber auch kein Kind mehr. Mit 16 beginnt die junge Frau eine Ausbildung bei der Zeitung in Vimmerby. Der mit einer bösartigen Gattin geschlagene Redakteur Blomberg (Henrik Rafaelsen) findet großen Gefallen an der talentierten Volontärin, und als eins zum anderen kommt, wird Astrid mit 18 ungewollt schwanger. Die Kindheit ist mit einem Schlag vorbei.

Alba August als junge Astrid in einer Szene des Films "Astrid".
Alba August als junge Astrid in einer Szene des Films "Astrid". | Bild: Erik Molberg Hansen / DCM

Selbst im liberalen Schweden war eine uneheliche Schwangerschaft in jener Zeit ein Skandal. Entsprechend schockiert reagiert Astrids gottesfürchtige Mutter (Maria Bonnevie). Weil Blomberg fürchtet, wegen Unzucht ins Gefängnis zu müssen, bringt Astrid ihren kleinen Lasse in Dänemark zur Welt.

Der Junge bleibt in der Obhut der liebevollen Pflegemutter Marie (Trine Dyrholm). Als sie erkrankt, fürchtet Astrid, den Mutterpflichten nicht gewachsen zu sein, aber Marie beruhigt sie: Kinder brauchen Liebe, und davon habe Astrid mehr als genug. Nun muss sich die junge Frau mit Anfang 20 als alleinerziehende Mutter durchschlagen.

Vom Teenager zur Frau

Die Dänin Pernille Fischer Christensen beschränkt sich tatsächlich auf diese fünf Jahre im Leben ihrer Heldin. Die Unbeschwertheit aus Lindgrens Kinderbüchern ist nur in den ersten Szenen zu spüren, der Rest ist Drama. Dass der Film dennoch nicht in Tristesse versinkt, hat er der herausragenden Leistung seiner Hauptdarstellerin zu verdanken.

Zu Beginn versieht Alba August ihre Rolle mit jener Unbekümmertheit, die Lindgrens Heldinnen auszeichnet. Als sich Astrid die Zöpfe abschneiden lässt, verwandelt sich der freche Teenager in eine attraktive Frau. Später sorgt ihre positive Ausstrahlung selbst in den düsteren Momenten für eine imposante Leuchtkraft. August ist die Tochter des dänischen Regisseurs Bille August („Fräulein Smillas Gespür für Schnee“), ihre Mutter Pernille ist eine bekannte schwedische Schauspielerin – „Astrid“ dürfte der erste Schritt einer gleichfalls großen Karriere sein.