Ein von der Stadt Amsterdam in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht entlastet Beatrix Ruf, ehemalige Direktorin des Stedelijk-Museums. Das berichtet das Magazin „Monopol“ in seiner Online-Ausgabe. Demnach habe sich die Kunsthistorikerin, die 1960 in Singen am Hohentwiel geboren wurde, nichts zu Schulden kommen lassen.

Beatrix Ruf hatte ihren Posten in Amsterdam 2014 angetreten. Davor hatte sie die Kunsthalle Zürich geleitet. Nachdem im Oktober 2017 Vorwürfe laut wurden, dass sie ein bei ihrem Arbeitgeber angeblich nicht angemeldetes Beratungsunternehmen für Sammler – darunter Leihgeber des Museums – führte, trat sie von ihrem Amt zurück. 2015 habe sie, so wurde kolportiert, damit 430.000 Euro Gewinn erwirtschaftet und ihr jährliches Gehalt von geschätzten 180.000 Euro aufgebessert.

Der 120-seitige Bericht soll Ende Juni veröffentlicht werden. Offenbar wurde er einem niederländischen TV-Sender zugespielt, der über das Ergebnis der Untersuchung zuerst berichtete. Weitere Medien zogen nach. Der Bericht kritisiert laut „Monopol“ den Aufsichtsrat des Museums dafür, wie er mit den Vorwürfen umgegangen sei. In der vergangenen Woche zogen drei Mitglieder des Aufsichtsrats die Konsequenzen und traten zurück, auch die Vorsitzende.

Ruf dankte in einer Erklärung den Autoren des Untersuchungsberichts mit den Worten: „Entgegen den Darstellungen in der Presse haben die unabhängigen Prüfer herausgefunden, dass ich mich immer lauter verhalten habe; alle Nebenaktivitäten waren abgesprochen, ich habe nie nebenher als Kunstberaterin gearbeitet. Am meisten hat mich aber Ihre Feststellung berührt, dass ich immer mein Herz und meine Seele fürs Stedelijk-Museum Amsterdam gegeben habe. Denn das habe ich.“

Ruf hatte die gegen sie erhobenen Vorwürfe von Anfang an als „Missverständnis“ bezeichnet und die Einnahmen aus ihrer Firma offen gelegt. Demnach hatte sie den größten Teil ihrer Einkünfte – eine Million Schweizer Franken – vom Schweizer Verleger und Sammler Michael Ringier als Bonus zum Ende eines Beschäftigungsverhältnisses erhalten, jedoch vor ihrem Amtsantritt in Amsterdam. Offenbar ist Ruf ein Opfer interner Querelen geworden. Niederländische Medien hatten sie zudem vor ihrem Rücktritt mit weniger freundlichen Beiträgen überzogen.

Rufs Rücktritt hatte international für Aufsehen gesorgt. Dabei wurde – am Beispiel ihrer Person – auch über die Machtverhältnisse im Kunstbetrieb und die Nähe zwischen Markt und Museen diskutiert. Ruf gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Kuratoren weltweit, sondern auch zu den umtriebigsten. Gerade die Vernetzung war ein Grund für das Stedelijk-Museum, sie zu berufen. Dass Ruf aus ihren Verbindungen keine illegalen oder illegitimen Verbindlichkeiten entstehen ließ, scheint der Untersuchungsbericht zu bestätigen.

Ob die Kunsthistorikerin nach Amsterdam zurückkehren wird? Das ist nach allem, was passiert ist, nicht anzunehmen. Aber mit der Expertise der unabhängigen Prüfer in der Hand ist Ruf wieder für andere Häuser interessant.