Nicht ganz, aber fast im Wald – „in the middle oft he woods“, so Milow – liegt das Conrad Sohm, eine ehemalige über 100 Jahre alte Textilfabrik außerhalb von Dornbirn. Den meisten ist die Region eher als Ausflugsziel für die Karrenseilbahn oder die Rappenlochschlucht bekannt. Aber seit vielen Jahren stellt im Conrad Sohm ein engagiertes Team ein spannendes Musikprogramm zusammen und beweist dabei oft ein glückliches Händchen für Newcomer und Aufsteiger.

Schon zum vierten Mal im Bregenzerwald

So war es auch beim belgischen Sänger und Songwriter Milow – der vor zehn Jahren das erste Mal vor rund 500 Zuschauern im Conrad Sohm aufgetreten ist. Inzwischen ist der charismatische 38-jährige bereits zum vierten Mal in den Club gekommen. „Als ich das erste Mal hier war, hatte ich gerade erste internationale Erfolge, war aber nicht so bekannt – darum habe ich gesagt, ins Conrad Sohm werde ich immer kommen, egal wie berühmt ich einmal sein sollte“, so Milow. Inzwischen ist Milow längst kein Geheimtipp mehr, er füllt Arenen mit 10 000 Zuschauern und begeisterte mehr als 5000 beim Salem Open Air.

Doch gerade kleinere Clubs, die Nähe zum Publikum, das ist es, was Milow besonders schätzt, wo er wirklich präsent ist und seine oft ruhigen und nachdenklichen Songs nicht in den Weiten irgendwelcher Riesenarenen verhallen. Im Conrad Sohm steht er mit seiner fünfköpfigen Band auf der Bühne und beginnt gleich mit Songs, die ihn bekannt gemacht haben wie „You don‘t know“ (2007) ,„You and me“ und seinem bislang größter Erfolg „Ayo Technology“. Das Publikum singt natürlich textsicher mit und dankt es dem immer noch jugendlich-verschmitzt wirkenden Sänger mit viel Applaus. Der kontert mit: „Danke für den schönen Tag – ich war mit der Seilbahn auf dem Karren, das Team war wandern, ich liebe die Gegend hier und den Blick auf den Bodensee“, schwärmte Milow auf Deutsch, um dann auf Englisch weiter zu erzählen, wie toll das Conrad Sohm „in the middle oft he woods“, also mitten im Wald sei.

Songs, die er nur hier singt

Seine neu erworbenen Deutschkenntnisse demonstrierte Milow auch, indem er Songs wie „Da müsste Musik sein“ von Wincent Weiss gekonnt coverte und von Johannes Oerding „Weiße Tauben“ sang, wie er es schon beim Tauschkonzert „Sing meinen Song“ getan hatte. Wohl nur vor Clubpublikum möglich sein dürften auch Lieder, die er gemeinsam mit seinem fünfköpfigen Team a capella singt, oder der erstmals vor Publikum gespielte Song „Lost Boys“, ein eher ruhiges Akustikstück.

Nach knapp zwei Stunden, drei Zugabe und etlichen Fotos, die Milow von der Bühne aus gemacht hat, verspricht er noch: „Ich versuche, ein Mal im Jahr hierher zu kommen“, und verschwindet hinter der Bühne. Die begeisterte Fangemeinde feiert einfach an der Bar weiter.