„Die Schmutzigen Puppen von Pommern“ sind gerade mal ein Jahr alt. Erst 2018 haben die belgischen Künstler Jos de Gruyter und Harald Thys sie erschaffen: aus Sackleinen, Stroh und künstlichem Haar. Und doch findet man die Figuren ausgerechnet in einem Museum, das die Zeit von 4000 vor Christus bis 400 nach Christus präsentiert.

„Wir verstehen die Antike als Fundament und Anregung für die Gegenwart“, heißt es im Antikenmuseum in Basel. Deshalb kooperiert das Haus seit zehn Jahren mit der Art Basel. Denn wenn es eine Verbindung für die Gegenwart und die internationale Kunstszene gibt, dann ist es eben die Art Basel.

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Bis Mittwoch war die Messe für die Branche und ihre kaufkräftige Kundschaft zu besichtigen – ab Donnerstag für die breite Masse zum stolzen Eintrittspreis von umgerechnet 51 Euro. Dass die Art Basel die wichtigste Kunstmesse der Welt ist, dafür sprechen allein schon die Zahlen.

Mehr als 90.000 Kunstinteressierte kamen im vergangenen Jahr, man konnte, was für das Geschäftsmodell wichtiger ist, zahlreiche Verkäufe im Millionen-Euro-Bereich verbuchen.

Millionenumsätze schon am ersten Tag

In diesem Jahr verkaufte bereits am ersten Tag die Schweizer Galerie Hauser & Wirth, einer der größten Akteure im internationalen Kunstmarkt, drei Werke im Wert von umgerechnet insgesamt fast 18 Millionen Euro. Bei Gagosian, Mnuchin, Zwirner und anderen läuft das Geschäft wie gewohnt ähnlich gut.

„Aufgrund ihres internationalen Auftretens trägt die Art Basel zum Ansehen und der Wahrnehmung der Stadt Basel im Ausland bei“, sagt Direktor Marc Spiegler. Da hat er recht. Der Flughafen ist wie üblich bei solchen Terminen mit Privatmaschinen ausgelastet, die Hotelpreise wie immer hoch und Privatzimmer nicht bezahlbar. Willkommen auf der Art Basel, die die teuerste Kunstmesse der Welt ist und bleibt.

Auch Jeff Koons ist auf der Art Basel vertreten: Hier fotografiert ein Mann ein Werk des US-Künstlers.
Auch Jeff Koons ist auf der Art Basel vertreten: Hier fotografiert ein Mann ein Werk des US-Künstlers. | Bild: Georgios Kefalas / Keystone / dpa

Aber es gibt für Kunstliebhaber auch das kostenlose Angebot, durch die Basler Altstadt zu flanieren und mit der Kunst in Dialog zu treten, ermöglicht von den Galerien, die auf der anderen Rheinseite ihre großen Geschäfte machen.

Kostenlos zugänglich ist der Art Parcours, der zum zehnten Mal stattfindet. Das Besondere an dem 20 Orte umfassenden Parcours ist, dass er zeitgenössische Kunst in Räumen und Umgebungen zeigt, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind – und in Museen, für die sonst Eintritt bezahlt wird.

Riesiger Turnschuh: „Big Sneaker (The Nineties)“ (2001) des deutschen Künstlers Olaf Nicolai.
Riesiger Turnschuh: „Big Sneaker (The Nineties)“ (2001) des deutschen Künstlers Olaf Nicolai. | Bild: Georgios Kefalas / Keystone / dpa

Beim Dialog der zeitgenössischen Kunst mit den Exponaten der Museen, wie Sarkophagen und gotischen Skulpturen, fällt der politische Inhalt der Werke auf, die auf dem Parcours zu sehen sind – insbesondere zur Klimadebatte.

Der Belgier Rinus Van de Velde zeigt im Innenhof des Basler Bau- und Verkehrsdepartements am Münsterplatz ein Haus im Maßstab eins zu eins, das fast in den Fluten versunken ist. Darüber schwebt eine dunkle Wolke, aus der vereinzelt noch Tropfen fallen.

Rinus Van de Veldes „Prop, Flood, Roof“ (2018) thematisiert den Klimawandel.
Rinus Van de Veldes „Prop, Flood, Roof“ (2018) thematisiert den Klimawandel. | Bild: Stefan Simon

Hassan Sharif aus Dubai präsentiert im historischen Saal der Antiquariatsbuchhandlung Erasmushaus ein wild verknotetes Geflecht aus dickem Kupferdraht, das an das von Zivilisationsabfällen versehrte Skelett eines kleinen Wals erinnert.

Lawrence Abu Hamdans politische Arbeit aus künstlichen Orangenbäumen, Kassetten und Lautsprechern im Hof des Staatsarchivs gehört zu den interessantesten Beiträgen des Rundgangs rund um den Münsterplatz. Antionio Obas stellt in der Barfüsserkirche die Evangelisierung versklavter Afrikaner und das Verhältnis der Kirche zu Macht und Reichtum in Frage.

Lawrence Abu Hamdans „The Recovered Manifesto Of Wissam“ (2017).
Lawrence Abu Hamdans „The Recovered Manifesto Of Wissam“ (2017). | Bild: Art Basel

Bis hier war alles kostenlos – und so geht es weiter. Entlang des Schilds an der Rheinbrücke „You Have Left The American Sector“ (Ron Terada) gibt es auf der anderen Rheinseite auf dem Messevorplatz in einem als pneumatische Konstruktion konzipierten Pavillon eine Schwarmaufführung von Alexandra Pirici. Man kann sich zu den Klängen von Metallicas „Nothing Else Matters“ unter Schauspieler mischen oder in die benachbarten Hallen gehen.

Das Kunstwerk „You Have Left the American Sector“ (2011) von Ron Terada im „Art Parcours“ der Art Basel.
Das Kunstwerk „You Have Left the American Sector“ (2011) von Ron Terada im „Art Parcours“ der Art Basel. | Bild: Georgios Kefalas / Keystone / dpa

Dort erwartet die Besucher Kunst auf hohem Niveau, wie auf der „Unlimited“ die raumgreifende Arbeit „The Safe“ von Abdulnasser Gharem über die die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi. Harmloser geht es bei der farbkräftigen Waschanlage von David Knorr zu. Zum Erholen gibt es schließlich die Klassiker-Sofas von Franz West.

Farbenfrohe Wagenwäsche: David Knorrs Waschanlage in Basel.
Farbenfrohe Wagenwäsche: David Knorrs Waschanlage in Basel. | Bild: Stefan Simon

Die Art Basel ist bis 16. Juni 2019 jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen finden Sie hier.