Am 24. Mai ist Tag der Nachbarn. In Deutschland ergeht dieser Tage ein Aufruf, viele kleine nette Nachbarschaftsfeste zu feiern. In der Schweiz haben sie solche Festivitäten nicht nötig. Sie haben gute Nachbarn.

Auf dem Zürichberg zum Beispiel hat die Familie Conle den Apotheker Kurt Häfliger in unmittelbarer Nachbarschaft. Der half mit einem riesigen Pflaster aus, als es darum ging, Spenden an die AfD zu verbergen. 150 000 Franken waren an Alice Weidel geflossen, Co-Vorsitzende der AfD. Niemand wusste, woher die schöne Wahlkampf-Hilfe kam. Aber der Apothekenbesitzer schon. Nur sagte er es nicht. Denn Nachbarn verrät man nicht.

Das ist der Spender

Jetzt berichtet der Zürcher „Tagesanzeiger“: Die AfD-Spende kam wohl von Henning Conle senior, der auch ein Faible für die rechtsnationale SVP hat. Herr Conle ist ein deutscher Milliardär mit Zürcher Bürgerrecht und hat sein Geld mit Immobilien gemacht; er ist einer von einigen Mini-Trumps unserer Zeit. Die Wahlkampf-Spende hatte Herr Conle laut dem Bericht seinem Nachbarn anvertraut, und der Apothekenbesitzer wollte sie in einzelnen Tranchen weitergeleitet haben.

Als die Sache aufflog, konnte Herr Häfliger behaupten, es handele sich um 14 Einzelspender. Als herauskam, dass diese Spender Strohmänner waren, verhielt sich Kurt Häfliger weiterhin wie ein treuer Nachbar. Er gab die Identität des Einzelspenders nicht preis, sondern sagte sinngemäß: Der Spender sei ein reicher Mann vom Zürichberg, für den sei der Betrag ein Klacks, der Mann trage alleweil „100.000 Franken im Hosensack“ herum.

Wer braucht die Wahrheit?

Nebenbei gesagt: Ständig 100.000 Franken im Hosensack zu tragen, mag gefährlich sein, aber angesichts der derzeitigen Negativzinsen ist die Hosensack-Bank vielleicht gar kein so dummer Aufbewahrungsort.

Zurück zur gutnachbarschaftlichen Beziehung. Herr Häfliger deckt den Spender bis heute. Und der Häfliger-Anwalt, ein SVP-Kantonsrat, deckt beide. Warum auch nicht. Warum böse Wunden aufreißen, solange das riesige Apotheken-Pflaster am Zürichberg hält?

Nur das gab der SVP-Anwalt zu Protokoll: „Herr Häfliger fühlte sich nicht der Wahrheit verpflichtet und hat darum einen Mist unterzeichnet.“ Halt so. Nicht der Wahrheit verpflichtet. Warum auch. Wahrheit ist ein Klacks im Hosensack. Da kann man jeden Mist unterzeichnen.