Es ist vollbracht. Nach dreijähriger Bauzeit inklusive fast eineinhalb Jahren kompletter Schließung öffnet die Kunsthalle Mannheim ihre Pforten jetzt wieder dauerhaft der Öffentlichkeit. „Offen“ heißt die Inszenierung im 68,3 Millionen Euro teuren Neubau, die Direktorin Ulrike Lorenz und ihr Team seit Dezember vergangenen Jahres bis zur Neueröffnung Anfang Juni gestemmt haben.

Das klingt nicht nur nach einem Ausruf der Erleichterung und Freude. Es ist zugleich Einladung in eine weitläufige, helle Architektur mit Treppen, Brücken und ausgedehnten Sichtachsen, offenen Aus- und Durchblicken in die Stadt und das Museum, einer Besucherterrasse und einem lichtdurchfluteten, 22 Meter hohen Atrium, um das sich auf drei Etagen neun hohe Ausstellungssäle als Kuben mit 3 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche gruppieren.

Ende 2017 war es fast schon einmal so weit: Die Kunsthalle sollte nach technischem Anschluss an den alten Jugendstilbau, Rückholung der ausgelagerten Sammlungen und Neueinrichtung eröffnet werden. Doch das dauerte länger als geplant, und so kam es am 18. Dezember lediglich zur Schlüsselübergabe der Stiftung Kunsthalle Mannheim an die Stadt. Ein kleiner chronologischer Rückblick: Ende 2012 beschließt der Gemeinderat die Realisierung des Neubaus nach dem Entwurf von gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg, die sich mit ihrem Konzept einer „Stadt in der Stadt“ als Einzige unter 29 Wettbewerbern ausdrücklich auf Mannheim und der am Quadrat orientierten Anlage einer barocken Idealstadt beziehen.

Im August 2014 erfolgt der umstrittene Abbruch des Vorgängerbaus von Hans Mitzlaff von 1983. Im März 2015 wird der Grundstein gelegt, im Juli 2016 ist Richtfest.

Entspannter Umgang mit Kunst

Während der Schließung von Januar 2017 bis Juni 2018 werden Außenanlagen und Skulpturenplatz realisiert und das neue Museum in Anwesenheit des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an die Stadt Mannheim übergeben. Als Bauherrin fungiert die von der Stadt und dem Stifter Hans-Werner Hector gegründete, private Stiftung Kunsthalle Mannheim. Zur Finanzierung des Neubaus mit 13 000 Quadratmetern Nutzfläche kamen 50 Millionen Euro von Hector und seiner Frau Josephine, 11,4 Millionen Euro von der Stadt Mannheim sowie weitere Förderungen, Stiftungen und Spenden.

Das Warten auf die Kunst und das neue Museum hat sich gelohnt. In der Neupräsentation, in der Schlüsselwerke der Sammlung aktuellen Arbeiten internationaler Kunstschaffender gegenübergestellt werden, steht „Offen“ auch für einen fast spielerischen, aber respektablen und durchweg entspannten Umgang mit der Kunst, zu der sich immer wieder neue Zugänge eröffnen. Sei es bei der „Arena“ der amerikanischen Bildhauerin Rita McBride, die man erklimmen kann, um von oben das Herzstück der Hauses, Edouard Manets „Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“, zu betrachten, sei es bei Anlagen, die über Treppen innerhalb eines Saals erreicht werden.

William Kentridge und der mit Brandspuren und zerlegten Schaufensterpuppen inszenierten Visualisierung der zerstörerischen Kraft des Feuers von dem Schweizer Installationskünstler Thomas Hirschhorn wurde je ein begehbarer Raum spendiert. In den Kuben, die Riesenformate von Anselm Kiefer mit kleinster Landschaft von Caspar David Friedrich konfrontieren, mit dichten Skulpturengruppen den Schwerpunkt der Sammlung zitieren oder mit leeren Wänden Mut beweisen und den Blick aufs Wesentliche lenken, fühlt sich der Besucher ebenso angesprochen wie im Schaudepot, das mit Gemälden an Gitterwänden und Gestellen voller Utensilien die seltene Gelegenheit zu einem Besuch im Museumslager simuliert. Nicht selten wird der Besucher herausgefordert, die Kunst humorvoll zu rezipieren, etwa wenn er auf Robert Delaunys kleinformatigen Ausblick auf Paris mit dem Eiffelturm trifft, der auf riesiger weißer Wandfläche recht verloren wirkt, bis sich der Bezug zum durch das benachbarte Panoramafenster sichtbaren Mannheimer Wasserturm einstellt.

Das alles bietet Genuss und Erlebnis zugleich. Und ist dabei fast selbsterklärend, während Wandtexte einen vertiefenden Einblick bieten. Auch wenn die Architektur der neuen Kunsthalle einen essenziellen Part einnimmt, stiehlt sie der Kunst nicht die Schau, sondern wirkt unterstützend und bildet mit dieser eine kongeniale Einheit. Im Erdgeschoss des nach den Hauptsponsoren Hector-Bau genannten Neubaus läuft daneben die erste Sonderausstellung „Jeff Wall. Appearance“ mit 30 für den gebürtigen Kanadier typischen großformatigen Fotografien in Leuchtkästen.

Ein den von außen kastenförmigen Neubau umhüllendes bronzefarbenes Metallgewebe und innen zwei Wandelemente aus rotem Sandstein schaffen den optischen Kontakt zum durch einen Gang verbundenen Jugendstilbau. Neben der Graphischen Sammlung finden sich hier Schauen, die sich unter anderem exemplarischen Ausstellungen der Vergangenheit und dem wichtigen Thema der Provenienzforschung widmen.

Kunsthalle Mannheim, Friedrichsplatz 4, Mannheim, geöffnet täglich außer Montag von 10-18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, 1. Mittwoch im Monat bis 22 Uhr. Die Sonderausstellung zu Jeff Wall läuft noch bis zum 9. September. Weitere Informationen im Internet unter: www.kuma.art