Man stelle sich vor, Falco, Jimi Hendrix und Isaac Hayes treffen sich in einer schwitzigen 80er-Jahre-Disko zum Jam – vielleicht würde das Ergebnis wie Bilderbuch klingen! Oder ganz anders. Denn das österreichische Quartett ist schwer zu fassen. Funky Pop-Hymnen mit scheppernd schreddernden Power-Riffs, ergänzt durch aalglatte Coolnes und augenzwinkernde bis total überdrehte Songtexte. Das passt zum Festival natürlich wie Dosenbier zur Dosenravioli! Der stilecht sonnengebräunte Sänger Maurice predigt mit ordentlichem Ösi-Einschlag von der Bühne: „Man darf sich nicht aufhalten lassen? Nicht einmal vom eigenen Körper. Aber wir sind ja ein großes Miteinander. Da kann man aufeinander Acht geben.“ Viel cooler kann eine Band kaum sein, die Darbietung von „Maschin“ ist ein absolutes Highlight des Festival.

Spätestens seit dem legendären Gig der Beastie Boys hat HipHop seinen festen Platz beim Southside. Trotzdem war die Buchung von Haftbefehl sicherlich eine der umstrittensten der Festivalhistorie. Denn im Gegensatz zu seinen festivalkompatiblen Kollegen tritt Hafti mit keiner Band an oder spielt lebensjahende Gute-Laune-Hits. Im Gegenteil: Der Offenbacher steht für harten, authentischen Straßenrap und hat ebendiesen konsequent revolutioniert. DAs machte ihn auch für die zunächst geschockten Feuilletons interessant. Beim Southside spielt Haftbefehl ein Konzert ohne jeglichen Schnicksack. Gemeinsam mit Brate Azzlack und Milonair schlappt der Babo in kurzen Hosen auf die Bühne und rasiert mit seinen messerscharfen HipHop-Scheren das Festival. Das spaltet das Publikum: Während eine Hälfte erschrocken mit den Augen rollt, versammelt sich die andere euphorisch vor der Bühne.

Green Day funktionieren immer noch prächtig als Publikumsmagnet. Das Festivalgelände bricht während des Headlinerkonzerts aus allen Nähten. Dabei kann einer Punkrock-Band ja eigentlich nichts schlimmeres passieren, als wenn sich ihre Musik zum Stadionrock entwickelt – zumindest ideologisch. Das Trio indes hatte diesen Wandel einst mit dem Erfolgalbum „America Idiot“ initiiert und auch in der Folge ein ambitioniertes Konzeptalbum an das nächste gereiht. Auf dem Southside inszenieren Green Day die große Punkrock-Oper, inklusive Blitzlichtgewitter, Kanonenschläge, Fans auf der Bühne und unzähligen „Le's Go Crazy!“-Ausrufen. Balladen wir „Boulevard Of Broke Dreams“ werden in alle Richtungen verzerrt und von hinten bis vorne durchinszeniert. Ein zufriedenstellendes Konzert, das aufgrund eines Stromausfalls 45 Minuten vor Schluss in einem Akustik-Ersatzprogramm von Sänger Billy Joe endet.

.Ein ausführliches Konzerttagebuch sowie Videointerviews mit Mando Diao und Boy finden Sie auf www.sk.de/southside