Vor 14 Jahren hatte Madonna ihren letzten Hit. „Hung Up“ war ein herausragend einprägsames, solide auf einem Sample von Abba fußendes Stück Disco-Pop. Seitdem hat Madonna keinen Song mehr veröffentlicht, an den man sich noch erinnern könnte, drei Alben in Serie versandeten in der bedeutungslosen Beliebigkeit.

Madonna, über viele Jahre die Ikone des Pop, taugte nicht mehr als Trendsetterin. Ihr wird bewusst gewesen sein, dass der nächste kreative Schuss sitzen muss. Der Druck, mit dem Album „Madame X“ endlich mal wieder zu liefern, war also groß.

Madonnas 14. Studioalbum „Madame X“ ist bei Universal Music erschienen.
Madonnas 14. Studioalbum „Madame X“ ist bei Universal Music erschienen. | Bild: Universal Music

„Madame X“ ist über weite Strecken durchaus ganz vergnüglich. Nur eines sollte man wohl besser nicht tun: das im Kern aus 13 Songs bestehende Album allzu ernst nehmen. Es ist nämlich eine wahre Fiesta der Verrücktheiten.

Einen Hit, um das mal vorwegzunehmen, gibt es auch dieses Mal nicht. Was ebenfalls fehlt, ist ein Konzept. Die Wandlungsfähigkeit, die Madonna ihrer Protagonistin „Madame X“ zuschreibt, ist tatsächlich Kern des neuen Projekts. Wer ist Madonna, und wenn ja, wie viele? Aus Portugal brachte sie Fado-Einflüsse mit. Dem Latin-Pop huldigt sie, auch afrikanische Einflüsse kommen vor – und Madonna rappt.

Verschrobene vier Minuten

Am besten ist sie ausgerechnet auf den verschrobensten vier Minuten dieses Albums. „Dark Ballet“ ist ein großartiges Manifest des Irrsinns.

Es beginnt mit fröhlichem Gesang, plötzlich setzt ein klassisches Piano-Solo ein, es folgt eine Sprech-Passage, und am Ende atmet Madonna schwer. So schwer wie ein bauchig gewordener Vater, der den kickenden 14-Jährigen zeigen will, was er draufhat, den einen oder anderen Trick raushaut, aber meistens hinterherjapst.