Endlich ist diese Ungerechtigkeit vom Tisch. Dass hinter einem armen männlichen Wicht immer eine gierige Frau steht. Das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ vermittelt das geradezu als archetypische Wahrheit. Aber auch Märchen sind Ausdruck ihrer Entstehungsgeschichte und mit zeittypischen Vorurteilen belastet. Frauen kommen gar nicht gut weg, es sei denn, es handelt sich um junge und schöne Unschuldslämmer, oder sie sind tot. In der Werkstatt des Konstanzer Stadttheaters zeigt Martin Borowski mit seiner Inszenierung des diesjährigen Weihnachtsmärchens für das Publikum „Drei plus“, dass wir trotz allem immer noch aufklärerisch gestimmt sind.

Ein Fisch soll zaubern

Da ist es nämlich der Fischer, der auf die Idee kommt, Kapital daraus zu schlagen, dass er den Zauberfisch ungeschuppt in den See entlassen hat. Könnt er doch zum Dank ein bisschen zaubern. Statt der Hütte ein schönes geräumiges Haus aus Stein. Die Frau findet auch, das wär's. Jana Alexia Rödiger und Sebastian Haase spielen ein richtig nettes Märchenpaar. Zuerst ganz das Glück der Armen. Ist kein Fang im Netz, weil die Fische durch die kindskopfgroßen Löcher entkommen sind, gibt's eben Gemüse.

Märchenwelt und Entertainment

Das ist natürlich gleichfalls ein Klischee, das dem Begleitpersonal der Kleinen beim Wirklichkeits-Check Anlass zum Schmunzeln gibt. Martin Borowski mixt in seinem erzählerischen Rahmen Märchenwelt und modernes Entertainment. Ein verzweifelter Vater Fisch erzählt die Geschichte vom Fischer und seiner Frau, mit der er seinem kleinen Sohn zeigen will, wie es gehen kann, wenn man den Hals nicht vollkriegt. Rödiger und Haase trudeln dazu im Fischkorsett – ganz Disney Style – über die Werkstattbühne und sind dabei sehr lustig (Ausstattung von Susanne Harnisch).

Schlecht gelaunter Zauberer

Und dann ist da auch noch dieser Fisch, der singen kann und der mit seinen Glitzerdress Schuppentier und Zauberer vereint. Ein schlecht gelaunter übrigens, vielleicht weil er schon weiß, wie es nun weitergeht. Zwischendrin, wenn Rödiger und Haase ihre Kostüme wechseln, steht er auf und singt, zum Beispiel von den Reichen und Schönen und ihrer Gemeinheit. Gerrit Stenzel gibt diesen bezaubernden Zauberfisch mit der Gitarre und dem Kita-Swing.

Märchenpaar als Ekelpaket

Das Märchenpaar vom Anfang wird also zu einem richtigen Ekelpaket. „Ich brauche mehr“ lautet die uneinholbare Devise. Wobei Martin Borowski beim Königspaar halt macht, Papst und Gott sein wollen, passt nicht so recht in unsere Diesseitigkeit. Schließlich weiß man auch schon bei diesen zepterschwingenden Blödianen, dass Gier ungeil ist.

Dem schmunzelnden Erwachsenen kommen ab und an Zweifel, ob diese Erzählwelt bei allen ironischen Brechungen nicht doch zu sehr vereinfacht. Spaß machts trotzdem.

Nächste Vorstellungen am 27., 29. und 30. November. Am 11. Und 12. Dezember wird im Stadttheater gespielt. Karten unter: Tel. 07531 900150 oder per E-Mail an:
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