Eigentlich könnte man meinen, die Zeit des Heranwachsens sei im Kino weitestgehend auserzählt. Denn die grundlegenden Koordinaten sind doch weltweit ähnlich: Erste Liebe, erster Sex, Konflikte und Weichenstellungen, die mal als Sex-Klamauk verbraten werden, mal ernsthaft, eigenwillig, tragikomisch und so, dass man gar nicht daran denkt, wie oft einem all das auf der Leinwand schon begegnet ist. „Lady Bird“ von Greta Gerwig ist solch ein Fall – das äußerst gelungene Solo-Regie-Debüt der Schauspielerin, das für fünf Oscars nominiert war, aber letztlich leer ausging.

Die Geschichte, die Gerwig nach ihrem eigenen Drehbuch erzählt, weist Parallelen zu Gerwigs Leben auf. Wie ihre Hauptfigur Christine (Saoirse Ronan) stammt sie aus Sacramento in Kalifornien, war auf einer katholischen Schule und verließ ihre Heimatstadt schließlich in Richtung New York. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten mit der 17-jährigen Christine, die sich viel lieber Lady Bird nennt und gleichsam sympathisch wie rebellisch ist und feste Vorstellungen von ihrer Zukunft hat. Sie will raus aus der Kleinstadt, am liebsten auf einer angesehenen Universität an der Ostküste Kunst studieren. Doch ihre Chancen stehen nicht gut, und überhaupt können sich ihre Eltern das nicht leisten.

Das ist aber nicht alles, was die Schülerin beschäftigt. Es ist eine Zeit wichtiger Erfahrungen und schmerzhafter Konflikte. Christine verliebt sich und stellt fest, dass es doch nicht die richtigen Jungs sind (einer von ihnen: Jung-Star Timothée Chalamet). Ihre Freundschaft zu Julie wird auf die Probe gestellt. Und während sie zu ihrem Vater ein inniges Verhältnis hat, ist die Beziehung zu ihrer Mutter Marion (Laurie Metcalf) komplexer – mal ganz distanziert und letztlich doch sehr nah. Die Szenen mit den beiden gehören zu den stärksten in „Lady Bird“.

Bevor Gerwig selbst Regie führte, sammelte sie Erfahrungen als Drehbuch-Autorin unter anderem mit ihrem Partner, dem Regisseur Noah Baumbach. Stilistisch ist durchaus eine gewisse Verwandtschaft zu Filmen wie „Frances Ha“ erkennbar, weil sie in ihrer Inszenierung mit spürbarer Sympathie für ihre Figuren eine Balance aus ernsten, komischen, schmerzhaften, verschrobenen Momenten findet, ohne den Bogen zu überspannen.

Leichtfüßig unterhaltsam tänzelt „Lady Bird“ mit seiner Protagonistin durch emotionale Höhen und Tiefen, Irrungen und Wirrungen und all die Erfahrungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt.

Dabei zeigt Gerwig nicht nur ein Gespür für Details. Ihre Figuren sind präzise entworfen, die Musik sorgfältig ausgewählt, und immer wieder gelingt es ihr, in wenigen Einstellungen komplexe Gefühle und Beziehungen auf den Punkt zu bringen. – und das voller aufrichtiger Gefühle und mit Erkenntnissen darüber, woher man eigentlich kommt und wer man im Leben sein will.

 

Abspann

Land: USA 2017

Regie und Buch: Greta Gerwig

Darsteller: Saoirse Ronan, Laurie Metcalf, Timothée Chalamet

Länge: 95 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Verleih: Universal Pictures

Fazit: Eine warmherzige, eigenwillige, komische, traurige Geschichte vom Erwachsenwerden.

Der Trailer zum Film: