Mit der Verleihung des Goldenen und der Silbernen Bären sind die 18. und letzten Internationalen Filmfestspiele Berlin unter der Leitung von Dieter Kosslick zu Ende gegangen – und wahrscheinlich ist es nur konsequent, dass auch diese Berlinale eine für die Ära des Schwaben typische war.

Zehn Tage lang war immer wieder altbekannte Nörgelei zu hören (Zu wenige Stars! Zu wenige herausragende Filme!), am Ende gab es aber doch hochverdiente und erfreuliche Entscheidungen der Jury unter dem Vorsitz der Französin Juliette Binoche.

Die französische Schauspielerin Juliette Binoche war die Präsidentin der Berlinale-Jury.
Die französische Schauspielerin Juliette Binoche war die Präsidentin der Berlinale-Jury. | Bild: Ralf Hirschberger / dpa

Mit „Synonymes“ des israelischen Regisseurs Nadav Lapid wurde einer der Höhepunkte des Wettbewerbs mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, eine durchaus sperrige, ungemein komplexe Auseinandersetzung mit Fragen nach Identität und Vergangenheitsbewältigung.

Dass die Jury sich für intellektuelles Kino begeisterte, in dem Ideen und Impressionen eine wichtigere Rolle spielen als die Handlung, zeigt auch die Entscheidung beim Silbernen Bären für die beste Regie für Angela Schanelec und „Ich war zuhause, aber“.

Regisseurin Angela Schanelec (“Ich war zu Hause, aber") nimmt einen Silbernen Bären mit nach Hause.
Regisseurin Angela Schanelec (“Ich war zu Hause, aber") nimmt einen Silbernen Bären mit nach Hause. | Bild: Tobias Schwarz / AFP

Die starke Präsenz des deutschen Kinos – ein Markenzeichen der Kosslick-Jahre – schlug sich in einem weiteren Preis nieder: Nora Fingscheidt wurde für „Systemsprenger“ über eine unbändige Neunjährige mit dem Alfred-Bauer-Preis für neue Perspektive in der Filmkunst geehrt.

Regisseurin Nora Fingscheidt wurde für ihren Film “Systemsprenger" ausgezeichnet.
Regisseurin Nora Fingscheidt wurde für ihren Film “Systemsprenger" ausgezeichnet. | Bild: Odd Andersen / AFP

Auch die übrigen Filme, die im Hauptprogramm der Berlinale überzeugen konnten, gingen nicht leer aus. Die Silbernen Bären für die besten Darsteller gingen an Yong Mei und Wang Joingchun für „So Long, My Son“. Das politisch aufgeladene Familiendrama von Wang Xiaoshuai über ein um seinen Sohn trauerndes Paar hatte sich zum späten Favoriten entwickelt.

François Ozon erhielt für „Grâce à Dieu“, die Geschichte eines Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche, den Großen Preis der Jury, der Drehbuch-Bär ging an die Autoren von „La paranza dei bambini“, zu denen der Mafia-Gegner Roberto Saviano gehört. Nur der sehenswerte Beitrag „God Exists, Her Name Is Petrunja“ sowie „Öndöng“ von Wang Quan’an wurden bei den Hauptpreisen nicht bedacht.

Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ("La Paranza dei Bambini") ging an Claudio Giovannesi (von links), Maurizio Braucci und Roberto Saviano.
Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ("La Paranza dei Bambini") ging an Claudio Giovannesi (von links), Maurizio Braucci und Roberto Saviano. | Bild: Jens Kalaene / dpa

Kosslick, der zum Abschied nicht nur ein paar Tränen verdrückte, sondern von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auch die Patenschaft für eine Brillenbär-Dame überreicht bekam, verabschiedete sich also mit einem Festival, das für alles stand, was die Berlinale unter ihm ausmachte: politische Themen, viele deutsche Beiträge, viele Frauen hinter der Kamera, cineastische Neuentdeckungen – aber auch ein Gesamteindruck, der Luft nach oben lässt. Für seine Verdienste um die Filmkunst und die Berlinale gab es mehrfach stehende Ovationen.

"Danke, Dieter!" – Fans von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick halten zum Abschied Plakate in die Höhe – und sie haben sich auch noch angezogen wie der 70-Jährige.
"Danke, Dieter!" – Fans von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick halten zum Abschied Plakate in die Höhe – und sie haben sich auch noch angezogen wie der 70-Jährige. | Bild: Tobias Schwarz / AFP