Es gibt Musiker, die besitzen eine Energie und Anziehungskraft, die sich partout nicht griffig beschreiben lässt. Die einen würden es wohl einfach als das gewisse Etwas bezeichnen, andere aber vielleicht eher als Aura. Der Begriff Rock-Star, der ja längst losgelöst vom Genre des Rock, sogar losgelöst von der Musik im Allgemeinen existiert, erscheint eng verbunden mit diesem ungreifbaren menschlichen UR-Zustand, der sich in keinster Weise künstlich erschaffen lässt. Man hat es, oder man hat es nicht. Und L.A. Salami hat es. Definitiv. In seiner Stimme, in seinem Auftreten, oberflächlich, unterflächig, innen drin und außen draußen.

Wer sich an diesem Abend unter den Besuchern des Konstanzer Kulturladens umhört, erhält ein zusammenhängendes Bild. Kaum einer kannte den Musiker schon vor diesem Auftritt, doch Beschreibung, Konzertplakat und Fotos wirkten so interessant, dass der Kula sehr gut gefüllt ist. Das Ganze fängt ja bereits beim Namen an: L.A. Salami. Das lässt einen zunächst stutzen. Deutschen schmunzeln anfangs darüber – aber nur, bis die ersten Takte zu hören sind. Dann bleiben einem die Wurst-Witze im Hals stecken, wenn sich L.A. Salami materialisiert als ein schwarzer Bob Dylan, als Poet und Spoken-Word-Artist, als Folk-Musiker und Träumer, als Erzähler und Erscheinung. Seine Stimme reibt ungemütlich durch die Kompositionen, gerade live. Es ist so ein Organ, das in einem Moment Großmütter entsetzt zusammenzucken lässt und im nächsten Augenblick Neugeborene friedlich in den Schlaf singt.

Das Publikum steht unter Strom

L.A. Salamis magnetische Live-Präsenz ist ab dem ersten Moment zu spüren, auch oder gerade weil es der Frontmann und seine drei Mitstreiter ihrem Publikum nicht gerade leicht machen. Das Konzert beginnt mit Instrumental-Geschrammel, das Quartett sägt wild auf den Instrumenten herum. Ein merkwürdiger und doch ergreifender Auftakt, der den Saal sofort unter Strom setzt. Die Spannung entlädt sich erstmals, als der Protagonist ans Mikrofon tritt und einem Piraten-Priester gleich seine Folk-Pop-Messe rezitiert. Yeah!

Wenn man Musik-Kritiker fragt, warum L.A. Salami trotz all der Lobes-Hymnen, die über ihn gesungen werden, noch kein Superstar ist, dann wäre die impulsive Antwort wohl: „Ich kann mir das auch nicht erklären!“ Eine Erklärung könnte aber sein: Das Songwriting des Künstlers hat durchaus noch viel Luft nach oben und Lücken nach unten. Richtig gute, eingängige und komplexe Strukturen tauchen zwar immer wieder auf (etwa im grandiosen „I Wear This Because Live Is War“, einem Höhepunkt des Konzerts), bleiben aber insgesamt Mangelware. Der Gitarrist und Sänger verlässt sich (noch) zu sehr auf seinen ausgeprägten „Bob Dylan meets Jimi Hendrix“-Vibe. So plätschert die Show von Zeit zu Zeit ein wenig vor sich hin im wabernden Gitarren-Geschrammel, während man im Publikum nur auf den nächsten Ausbruch und Ausreißer wartet. Und trotzdem muss man festhalten: Merken Sie sich diesen Namen! Sollte ja nicht allzu schwer sein.