Herr Bücklein, im Programmheft wird der Abend als ein Cross-Over-Battle beschrieben. Was kann man sich darunter vorstellen?

Es treten Schlager, Chanson, Pop-Musik und Folklore mit- und gegeneinander an, und vor allem gibt es viel gute und unterhaltsame Musik. Wir bieten ein Programm mit Hirn, das Brücken schlagen – und das vor allem Spaß machen soll.

Handelt es sich also um fremde Musik?

Es sind bekannte und einige weniger bekannte Songs und Lieder etwa von Gilbert Becaud, Alexandra, Udo Jürgens, Billy Joel, Sting oder den Wise Guys. Aber es werden auch vertraute Melodien aus der russischen Musik („Ochi Chornye“, „Dorogoj Dlinnojou“) zu hören sein, für die wir Helena Goldt, die Russland-Deutsche aus Kasachstan und ausgebildete Opernsängerin ist, gewinnen konnten. Wir haben ja (siehe „Dschinghis Khan“ und „Moskau“) vielleicht eine eher unrealistische Vorstellung vom „Russischen“. Auch die Politik erzeugt heute wieder mehr Distanz und große Fremdheit. Und Fremdheitsgefühle – wie sie vermutlich jeder Mensch gegenüber irgendetwas hat – kann man vielleicht ein Stück weit mit Musik überwinden.

Wie darf man sich die Rolle der Südwestdeutschen Philharmonie an diesem Abend vorstellen?

Das etwa 40-köpfige Orchester, ergänzt um eine Rhythmusgruppe aus Klavier, E-Bass und Schlagzeug sorgt dafür, dass allen Liedern mit vollem Klang die bestmögliche Aufführung zuteil wird.

Und Ihre Rolle?

Ich habe Konzept und dramaturgische Abfolge dieser Uraufführung in sechs Monaten erarbeitet und die Partitur mit drei Kollegen arrangiert. Am Abend selbst bin ich Dirigent, Klavierspieler, Moderator und singe auch einige Songs. Vor allem die aus dem Pop-Bereich und die eher intellektuell-textlastigen, die eine Geschichte erzählen.

Als weiterer Sänger ist Dirk Wagner genannt.

Dirk Wagner ist Autodidakt, liebt Schlager und hat eine tolle Stimme und eine wunderbare Bühnen-Ausstrahlung. Helena Goldt steuert fremdartige Lieder und dramatische Töne bei. So haben wir den größtmöglichen Kontrast mit uns drei Sängern abgebildet.

Wie werden die Songs in der großen Sport-Halle klingen?

Ich kenne die Schänzlehalle. Von daher werden wir alle mit akustischer Verstärkung musizieren. Respekt habe ich davor, dass wir vorher nur etwa eine Stunde für den Aufbau und den Soundcheck haben.

Nochmal zum Motto des Abends: Bleibt man sich fremd oder wird man Freund?

Diese Frage steht natürlich im Raum. Das Fremde beruht ja oft auf Unkenntnis. Die wird man überwinden, indem man sich mit dem Fremdartigen beschäftigt. Von daher passt auch ein klassisches Stück, das ich von Franz Schubert singe: „Fremd bin ich eingezogen“ aus seinem Zyklus „Winterreise“.

Fragen: Veronika Pantel

Mit „Unlimited“ Brücken zwischen Musikstilen schlagen

In ihrer Reihe „Unlimited“ stellt die Südwestdeutsche Philharmonie die Verbindung zwischen klassischer Musik und anderen Musiksparten her. Das kann Rap ebenso sein wie Pop oder Weltmusik. Im Konzert am 20. Januar um 18 Uhr, das wieder in der Konstanzer Schänzlehalle stattfindet, geht es um „Fremde oder Freunde“ – aber nicht nur um den Schlager mit gleichem Titel von Howard Carpendale. „Fremde oder Freunde“ versucht einen musikalischen Brückenschlag zwischen Ost und West, Schlager und Orchester, dem Wunsch nach Abgrenzung und der Sehnsucht nach Frieden.

Karten für das Konzert am 20.1., 18 Uhr, gibt es unter Tel. 07531 900-150 oder zum selber Ausdrucken über http://www.philharmonie-konstanz.de. (vep/sk)