Schon der Titel „Haus.Tier“ umreißt treffend die Bildwelten, die dem Betrachter in der Schau des Kunstvereins Radolfzell in der Villa Bosch begegnen: Gegenstände und Räume aus dem häuslichen Umfeld sowie schattenartige Silhouetten von Tiergestalten – ins Holz geschnitten und gedruckt von Martina Geist und Abi Shek aus Stuttgart. Mit ihnen präsentiert der Kunstverein zwei der erfolgreichsten Holzschneider in der Kunst der Gegenwart.

Geist und Shek verfolgen unterschiedliche Konzepte im Medium des Holzschnitts. Während sie ihre meist großformatigen Arbeiten als Unikate auf Papier druckt und den dazugehörigen Holzstock mit ausstellt, bevorzugt er neutrale Leinwände als Bildträger. Wirken bei Geist intensive Farbkontraste und bewegte Linien als wesentliche Ausdrucksfaktoren, so konzentriert sich Shek gänzlich auf tiefe Schwarztöne, die er als reine Umrissformen auf hellen Grund setzt.

Martina Geist, geboren 1961 in Stuttgart, absolvierte ihre künstlerische Ausbildung von 1981-89 an der Stuttgarter Akademie. Zahlreiche Ausstellungen machten ihr Schaffen beim internationalen Publikum bekannt. Im seinem Fokus steht der Farbholzschnitt mit Motiven aus Stilleben und Interieurszenen. Die Arrangements von kippenden Stühlen oder fallenden Zitrusfrüchten, von schrägen Fußböden oder gebrochenen Raumkanten hinterfragen immer auch unsere Sehgewohnheiten hinsichtlich Perspektiven und Räumlichkeiten, Flächen und Tiefenwirkungen. Und still ist es keineswegs in ihren Bildschöpfungen: Tassen, Obst und Möbel geraten in Bewegung und damit in labile ungewohnte Konstellationen. So inszeniert Geist Alltägliches zu neuen Kompositionen voller Dynamik.

Bedingungen des Holzschnitts im Spannungsfeld zwischen Druckvorlage und Bildergebnis werden von Geist auf besondere Weise erkundet: Nach dem einmaligen Abzug auf Papier erklärt sie die durch Weiterbearbeitung veränderte Holzplatte zum eigenständigen Relief-Objekt und versteht sie als gleichberechtigten Partner. Damit negiert Geist das Prinzip der Vervielfältigung, das die Holzschneidekunst seit Jahrhunderten bestimmte.

Abi Shek, 1965 in Rehovut/Israel geboren, studierte von 1990-96 Bildhauerei an der Stuttgarter Kunstakademie. Seit 1991 wurde sein Schaffen mit zahlreichen Preisen gewürdigt. Im Zentrum seiner Intention steht die flächig reduzierte Darstellung des Tieres. Auf großformatigen Leinwänden erscheinen prähistorisch anmutende Tierkörper. Aus diesen so primitivistisch wie modern wirkenden Formgebungen spricht die emotionale Bindung des Künstlers zu Natur und Kreatur. Während der Kindheit im Kibuz zog Shek mit Viehherden umher und entdeckte in Kalksteinhöhlen Felszeichnungen. Nähe und Intensität dieser Erfahrungen gräbt er mit Hammer und Meißel ins Holz und entlockt dem Material mytisch wirkende Ur-Bilder von Rindern und Ziegen, Schafen und Kühen.

Mit ihren Arbeiten gelingen Martina Geist und Abi Shek kraftvolle Neubelebungen der Holzschnitt-Technik. Eine sehenswerte Ausstellung!

Bis 7. Januar 2018. Öffnungszeiten: Di-So 14-17.30 Uhr. Weitere Informationen unter:www.kunstverein-radolfzell.de

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