„Kellerkinder“ nennt Markus Stegmann, der neue Direktor des Impressionistenmuseums Villa Langmatt in Baden/Schweiz seine zweite Ausstellung. Und zaubert auf originelle Weise ans Licht, was jahrzehntelang im Depot versteckt war. Dazu gehören als wirkliche Schätze großer Meister etwa drei Akt-Zeichnungen von Henri Matisse, lockende Äpfel von Paul Cézanne oder zwei wunderbar abstrahierte Zeichnungen von Camille Pissarro. Aber auch viele Arbeiten von heute unbekannten Künstlern sowie alles, was das Industriellen-Ehepaar Sidney und Jenny Brown sonst noch sammelte: ostasiatische Keramik, Silber, Koffer, Skulpturen, elegante Kleider und sogar eine uralte Schreibmaschine.

Diesem Sammelsurium ist der erste Raum gewidmet: Man blickt auf ein herrliches Durcheinander, praktisch Eins zu Eins vom Depot nach oben befördert und wach geküsst. Und daneben – ganz groß – ein Porträt der Hausherrin Jenny Sulzer, gemalt von Julius Exter, die nachdenklich auf ihre Sammlung blickt. Doch schon im Eingangsbereicht stößt der Museumsbesucher auf wirkliche Schätze – etwa auf das bezaubernde Porträt der Ehefrau des Sohnes John Brown, gemalt im Stil der Neuen Sachlichkeit. Oder auf die skizzenhafte und rätselhaft ungenaue Darstellung eines jungen Paares (vielleicht Hermes und Persophone?), gemalt von einem unbekannten Künstler. Auch in den weiteren drei Räumen gibt es viel zu entdecken.

Sie sind nach Themen geordnet, etwa nach Arbeiten auf Papier, nach Familienbildern oder nach ostasiatischer Kunst und Kunst aus den frühen Beständen der Sammlung. Sehr hilfreich ist bei diesem Streifzug durch die Sammlung der „Kellerkinder“ ein kleiner ausliegender Führer von Markus Stegmann. Darin erzählt er informativ die Geschichten, die hinter den Bildern stecken.

Und mit Augenzwinkern verstecken sich auch plötzlich zeitgenössische Arbeiten neben der Sammlung, etwa geschenkte Zeichnungen der Basler Künstlerin Mireille Gros oder seltsame Gebilde von Michael Günzburger. Sogar zwei wunderbare Skulpturen-Fälschungen („falsch“ hieß es dazu im Depot) kann man entdecken. Und sich vielleicht beim Verlassen der Villa über die Kunst von Raphael Stucky im davorstehenden Jaguar amüsieren, aus dem eigenwillige Kratzgeräusche dringen.

Die Ausstellung: Bis 4. September dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, am Wochenende von 11 bis 17 Uhr. Informationen im Internet (www.langmatt.ch).