Dass Iggy Pop mit seiner Band The Stooges ein Stück Musikgeschichte geschrieben hatte, darauf deutete 1973 eher wenig hin. Aber auch The Stooges selbst waren nach ein paar gemeinsamen Jahren fertig, am Ende, zerstritten und lösten sich auf. Ja, „1973 waren The Stooges Dreck“, heißt es zu Beginn von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“, einem Doku- Liebesbrief der Independentfilm-Ikone an die Band. Über die Jahrzehnte hat sich der Blick verändert: Ihre Alben „The Stooges“, „Fun House“ und „Raw Power“ überdauern als Pionierwerke des Punk, obwohl sie zu einer Zeit entstanden, als es noch gar keinen Punk gab. Längst zeigt sich, wie groß der Einfluss der drei Werke auf viele Musikgrößen war – auch wenn die Würdigung erst spät kam, vor allem nachdem The Stooges zu Beginn der 2000er-Jahre wieder zusammenfanden.

„Wir verhören Jim Osterberg über The Stooges, die größte Rock’n’Roll-Band aller Zeiten“, so führt Jarmusch das Film-Interview mit dem „Godfather of Punk“ ein, der sich den Künstlernamen Iggy Pop gab. Dass er, seit einigen Tagen 70 Jahre alt und nach andauernd exzessivem Drogenkonsum, nach wie vor als einer der letzten großen Rocküberlebenden ungebrochen wild über die Bühnen tobt, ist eigentlich ein Wunder – genauso wie die Tatsache, dass er sich noch an irgendetwas etwas aus zugedröhnten Jahren erinnern kann. Doch jetzt sitzt er mit Shirt, aber ohne Schuhe da, während ihm ein Totenkopf dabei zuschaut, wie er durch diese Vergangenheit streift.

Obwohl Osterberg/Pop viel Raum in „Gimme Danger“ bekommt, ist der nach einem Stooges-Song betitelte ein Film über die Band. Bassist Mike Watt und Gitarrist James Williamson, der nach der ersten Stooges-Phase Karriere in der Elektronikindustrie machte, sind aber nicht die einzigen, die Vignetten ihrer Vergangenheit hervorkramen. Zwar sind nach dem Gitarristen Ron Asheton 2009 auch Stooges-Drummer Scott Asheton 2014 und Saxophonist Steve Mackay 2015 gestorben. Doch weil sich die Realisierung der Doku über mehrere Jahre hin hinzog, konnten auch sie noch interviewt werden.

„Er sollte wie die Musik der Stooges sein: wild, durcheinander, lustig, emotional, stark", sagte der Indie-Regisseur zur Premiere in Cannes im vergangenen Mai über seinen Film. Irgendwie steckt all das auch darin und blitzt hier und da auf.

ABSPANN

Land: USA

Regie: Jim Jarmusch

FSK: ab 0 Jahren?

Länge: 108 Minuten

Fazit: Jim Jarmuschs Doku ist das Werk eines Fans – und doch etwas zu souverän runtergespielt.