Trauer um Jan Dix, den jüngsten Sohn des berühmten Höri-Malers Otto Dix (1891-1969): Wie der SÜDKURIER gestern erfahren hat, ist der Goldschmied, Jazzmusiker und Förderer des Otto-Dix-Hauses bereits am Montag in seinem Heimatort Öhningen gestorben. Er wurde 90 Jahre alt.

Musikstudium in Konstanz

Jan Dix, der früh das Trompetenspiel erlernt hatte, studierte zunächst in Konstanz am Zimmermannschen Konservatorium Musik, bevor er in Unteruhldingen eine Ausbildung zum Gold- und Silberschmied begann. In München absolvierte er später ein Studium an der Akademie der bildenden Künste. Tagsüber studierte er, abends trat er mit seiner Trompete in den Offizierskasinos der US-Armee auf.

Seit den 60ern in Öhningen

Nach zwei Jahren als freischaffender Künstler in der bayerischen Landeshauptstadt ließ sich Dix Mitte der 60er-Jahre in Öhningen nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. Jan Dix hatte erstmals mit 22 Jahren geheiratet und ist vier Mal Vater geworden. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Christine heiratete er 1993 Andrea Dix (geborene Hartmann) – auch sie arbeitet als Goldschmiedin.

Im Licht des Vaters

Anders als bei so vielen Söhnen bedeutender Künstler verlief das Leben des Jan Dix weniger im Schatten des Vaters als vielmehr in dessen Licht. Mit Überzeugung und viel Leidenschaft brachte er der Öffentlichkeit bis zuletzt das Leben und Wirken des Otto Dix näher, er besprach sogar höchstpersönlich den Medienguide zur Ausstellung im Museum Haus Dix.

"Immer auch 'Sohn von...'"

„Ich habe schon früh gelernt, dass er immer auch ‚Sohn von …’ war“, erinnert sich seine Tochter Nana. „Natürlich hat ihn das manchmal geärgert: Schließlich war er ja selbst Künstler, hatte auch seine eigenen Ausstellungen. Das änderte aber nichts an seiner eigenen Wertschätzung des berühmten Vaters. Er ist mit diesem Verwandtschaftsverhältnis insgesamt sehr souverän umgegangen.“

Witz, Charme und Humor

Ihr Vater habe über Witz, Charme und Humor verfügt, sagt sie. Zudem sei er auch ein ganz hervorragender Tänzer gewesen. „Uns Kindern hat er das Steppen beigebracht.“

Bescheiden und liebenswürdig

Frank Hämmerle (CDU), Landrat des Landkreises Konstanz und Vorsitzender der Otto-Dix-Haus-Stiftung, erklärte gestern auf Anfrage, Jan Dix habe sich als Bindeglied zwischen Otto Dix und der Jetzt-Zeit große Verdienste erworben. „Als authentischer Mittler konnte er auf ganz persönlicher Ebene darüber berichten, wie es im Haus auf der Höri zugegangen war“, so der Politiker. Er selbst habe ihn als vielschichtigen Künstler und bescheidenen, liebenswürdigen Menschen erlebt.

"Kritisch bleibende Neugier"

Neben dem berühmten Vater ist auch die früh verstorbene Schwester, Nelly Dix, als Schriftstellerin und Malerin künstlerisch erfolgreich gewesen. Für den in Lengwil ansässigen Libelle-Verlag, der zuletzt zwei Erzählbände und ein Kinderbuch von ihr neu herausbrachte, hatte Jan Dix einen Beitrag verfasst. Verleger Ekkehard Faude erinnert sich an ihn als einen zurückhaltenden, aber humorvollen Menschen. „Er hat die Bürde eines Kinds des berühmten Vaters und einer überaus begabten Schwester durchaus selbstbewusst in kritisch bleibender Neugier getragen“, erklärte er gestern auf Nachfrage.

Letztes von drei Kindern

Jan Dix war das letzte noch lebende von drei Kindern des Ehepaars Martha und Otto Dix. Sein Bruder Ursus Dix war Ende 2002 an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben.