Die Realität ist das, was tatsächlich existiert. Sie ist die Wirklichkeit. Und die ist, dass derzeit noch immer viele Menschen im Mittelmeer ertrinken und dass Deutschland jedes Jahr mit mehreren Hundert Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid die Luft verschmutzt. Klingt deprimierend? Ist es auch. Doch auch Realität hat gute Seiten, wie die, dass viele Geflüchtete sich in europäischen Ländern ein neues Leben aufbauen konnten und für die Fridays-for-Future-Bewegung jede Woche mehrere Hundertausend junge Menschen im ganzen Land auf die Straße gehen.

Bild: Wetschera, Wiebke

Kunst versucht, Realität einzufangen und sichtbar zu machen. Doch ist die reale Abbildung eines Gegenstands dem Gegenstand gleich? Oder bleibt die Abbildung immer eine solche, egal wie real sie doch scheint? Eine Frage, mit der sich der belgische Maler René Magritte schon vor 90 Jahren beschäftigte. Eins seiner bekanntesten Ölbilder zeigt eine Pfeife, darunter ist der Schriftzug „Ceci n‘est pas une pipe.“ (deutsch: Dies ist keine Pfeife.) zu lesen. Magritte wollte zeigen, dass selbst die realistischste Abbildung eines Objekts nicht mit dem Objekt selbst identisch ist.

Künstlerin Anna Lena Grau stellt derzeit im Städtischen Museum in Engen aus.
Künstlerin Anna Lena Grau stellt derzeit im Städtischen Museum in Engen aus. | Bild: Wetschera, Wiebke

Das Zusammenspiel von dem, was wirklich ist, und dem, was nur so scheint, lässt sich derzeit auch im Städtischen Museum Engen beobachten. Anna-Lena Grau zeigt unter dem Titel „Packstücke“ verschiedene Skulpturen, die eine Verbindung zwischen Innen und Außen schaffen, zwischen der Realität und ihrer Abbildung. Grau zeigt dem Titel der Ausstellung entsprechend Koffer in verschiedenen Formen. Sie sind aus Gips geformt, teilweise mit echten Kofferteilen verarbeitet. Das wird bereits auf den ersten Blick deutlich. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich: Die Künstlerin hat nicht wirklich die äußere Schale eines Koffers nachgebaut, sondern den Innenabdruck des Koffers verwendet und ihn wie die äußere Form inszeniert. Sie bringt damit eine zweite Ebene der abgebildeten Wirklichkeit in ihre Werke. Die Künstlerin spielt bewusst mit dem, was offensichtlich erkennbar ist und macht das Verborgene nach außen sichtbar.

Bild: Wetschera, Wiebke

So auch mit Maulwurfshügeln aus Bronze, die den Boden der Ausstellung zieren. Ein nach außen gestülpter Innenraum. Mit den Maulwurfshügeln geht sie sogar noch weiter, denn viele empfinden Maulwurfshügel als lästig und bekämpfen diese daher. Die in der Realität als bedeutungslos wahrgenommenen Maulwurfshügel bekommen durch ihre künstlerische Abbildung Bedeutung verliehen. Dadurch wird zwar die Realität nicht verändert und doch zeigt sich, die Abbildung der Realität kann oft den eigenen Blick auf die Wirklichkeit nachhaltig verändern.

„Packstücke“ ist noch bis zum 11. August, Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr und Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, im Städtischen Museum Engen zu sehen. Der Eintritt kostet drei Euro, ermäßigt zwei.