Wer braucht schon einen roten Faden, wenn er einen roten Punkt haben kann? Genau der taucht nämlich in der neuesten Ausstellung in der Galerie Bagnato immer wieder auf.

Seekunst

Die Bilder des Künstlerehepaares Joanna Klakla und Fryderyk Heinzel sind auf engem Raum ausgestellt. Im Studio, nicht in der Halle. Aber dieses eine Zimmer ist alles, was nötig ist. Beide Künstler stammen ursprünglich aus Polen, leben und arbeiten aber mittlerweile am Bodensee. Das ist gut in Heinzels Kunst erkennbar. Das Seeufer wird oft zum Motiv seiner Bilder.

Wellen aus Ölfarbe: Auch auf Heinzels gemalten Bildern sind immer wieder Seeufer zu sehen.
Wellen aus Ölfarbe: Auch auf Heinzels gemalten Bildern sind immer wieder Seeufer zu sehen. | Bild: Fryderyk Heinzel, Foto: Eckart Frehland

Heinzel arbeitet meistens mit Fotografie. Landschaftsaufnahmen, die er manchmal auf Holz überträgt. Einige davon lässt er unbearbeitet, bei anderen greift er in die Bilder ein. Dann ziehen sich geometrische Formen durch die Landschaft. Dreiecke, Rechtecke und – natürlich – rote Punkte. Wir sehen eine rote Fläche zwischen zwei Stromleitungsmasten, oder einen Sonnenuntergang, den Heinzel mit einem Kreis und zwei Dreiecken ergänzt. Er nimmt etwas so konkretes wie ein Landschaftsfoto und macht es abstrakt. Einige seiner Bilder sind auch gemalt. Auch hier: Landschaften.

Fryderyk Heinzel überträgt Landschaftsfotos auf Holz und bearbeitet sie dann.
Fryderyk Heinzel überträgt Landschaftsfotos auf Holz und bearbeitet sie dann. | Bild: Fryderyk Heinzel, Foto: Eckart Frehland

Brutalität und Performance

Der größte rote Punkt der Ausstellung hängt an der hinteren Wand des Studios. Bei der Ausstellungseröffnung hat Heinzel hier vor Publikum gemalt. Ein aus vielen Einzelteilen zusammengesetztes Landschaftsfoto, mit roter Farbe überzogen. Das Endprodukt wirkt fast schon brutal. Der Punkt ist nicht so sauber wie auf den anderen Bildern. Die Farbe ist unregelmäßig dick, die Ränder ausgefranst, das Papier verknittert. Beim Blick nach unten sehen wir: An der Wand und sogar auf dem Boden sind Farbspritzer! Heinzel hat viel Energie in seine Performance gesteckt.

Das Alphabet der Kunst

Ganz anders bei Joanna Klakla. Sie fotografiert nicht und zeigt auch nicht wirklich Landschaften. Stattdessen arbeitet sie mit Malerei, Druck und Collage. Auf ihren Bildern sind seltsame Gestalten zu sehen. Menschen? Engel? Fische? Nein! Es sind Buchstaben. Arabische Buchstaben, um genau zu sein. Seit einem Besuch der Blauen Moschee in Istanbul beschäftigt Klakla sich mit der Schrift. Ihre frühen Bilder zu diesem Thema sind noch klar als Schriftzeichen erkennbar, die vermenschlichten Formen kommen erst später.

Magische Schriftbilder: Joanna Klakla formt Buchstaben zu Kunst.
Magische Schriftbilder: Joanna Klakla formt Buchstaben zu Kunst. | Bild: Joanna Klakla, Foto: Eckart Frehland

Eine von ihren Ausstellungen trägt den Namen "Himmelskörper – Die Körperlichkeit der Schrift". Zwischen den "Himmelskörpern" und Heinzels Landschaftsbildern passt das Motto der Ausstellung "Zwischen Himmel und Erde" also perfekt. Was haben die beiden Künstler gemeinsam? Richtig. Auch bei Klaklas Bildern taucht der rote Punkt immer wieder auf. Zum Beispiel als Hintergrund für ihre Schriftzeichen.

Alte Bekannte

Klakla und Heinzel stellen nicht zum ersten Mal in der Galerie Bagnato aus. Schon 2015 und 2010 haben Künstler und Galerie zusammen gearbeitet. Auch Bilder von Joanna Klaklas Bruder Wojtek, ebenfalls Maler, hingen schon in der Galerie Bagnato. Dieses Mal mag die Ausstellung eher klein sein, sie zu vergrößern wäre aber unnötig. Auch in kleinen Verhältnissen ist die Bildauswahl stimmig und sehenswert.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31.03. im Studio der Galerie Bagnato in Konstanz-Oberdorf zu sehen. Geöffnet ist Di – Fr, 16.00 – 19.00 Uhr und nach vorheriger Vereinbarung.