Nur ein kurzes Fingerschnipsen reichte dem Bösewicht Thanos im letzten „Avengers“-Film aus, um die Hälfte der Menschheit zu Staub zerfallen zu lassen. Darunter waren auch verdiente Helden aus dem Marvel-Universum, die in den letzten zehn Jahren mitgeholfen hatten, Milliardengewinne in die Konzernkasse zu spülen. Es war ein Filmende, das gerade im Mut zur Stille seine poetischer Zerstörungskraft entfaltete – und nicht nur unter eingefleischten Comic-Film-Fans als größter Cliffhanger der Filmgeschichte gilt.

Und so herrscht zu Beginn der finalen Fortsetzung „Avengers: Endgame“ auf dem Planeten Erde zunächst die große Depression. Die Reihen im Superheldenlager sind gelichtet und die Trauer um die verlorenen Kollegen groß. Captain America (Chris Evans) leitet eine Selbsthilfegruppe für die Hinterbliebenen der Massenvernichtung. Iron Man (Robert Downey Jr.) hat sich ins Familienlleben zurückgezogen, während Black Widow (Scarlett Johansson) müde die Zentrale zur Verbrechensbekämpfung leitet.

Der omnipotente Thor (Chris Hemsworth) ist frustriert. Damit geht der Film los.
Der omnipotente Thor (Chris Hemsworth) ist frustriert. Damit geht der Film los. | Bild: Marvel Studios/Walt Disney Germany/dpa

Der omnipotente Thor hat sich frustriert dem Suff ergeben, wofür die Pixelmeister Chris Hemsworth eine Bierwampe und Schwimmreifen auf den Astralleib geschnürt haben. Die rettende Idee kommt ausgerechnet vom kleinsten Mitglied im Superhelden-Team. Ant-Man (Paul Rudd) hat die Halbierung der Menschheit irgendwo im Zeittunnel verbracht, dessen quantentheoretische Erklärung schon in „Ant-Man and the Wasp“ keiner verstanden hat. Er will die Technik dazu nutzen, um zurück in die Vergangenheit zu reisen, wo Geschehenes ungeschehen gemacht werden soll. Dass das Instrument der Zeitmaschine ein äußerst abgegriffenes Hilfsmittel ist, dessen sind sich auch die Regisseure Anthony und Joe Russo bewusst. Durch selbstironische Verweise auf so ziemlich alle einschlägigen Zeitreisefilme versuchen sie diese erzählerische Schwäche unschädlich zu machen, was ihnen fast gelingt. Es wird tapfer gekämpft und noch tapferer gestorben und der Mythos superheroischer Unbesiegbarkeit zur Steigerung der Spannung teilweise unterminiert.

Auf schlappe drei Kinostunden haben die Russos den letzten Akt der „Avengers“-Reihe gestreckt und rekrutieren im finalen Kampfgemetzel so ziemlich jeden Superhelden, der in den letzten Jahren unter dem „Marvel“-Siegel das Licht der Leinwand erblickt hat. Langweilig wird es bei der ausufernden Betriebsfeier jedoch nicht, weil das Regie-Duo die epische Breite immer wieder durch selbstironischen Humor und Momente superheroischer Selbstbesinnung auflockert.

Abspann

Titel: „Avengers: Endgame“

Land: USA 2019

Länge: 181 min

Regie: Anthony und Joe Russo

Darsteller: Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Chris Hemsworth

FSK: ab 12 Jahre

Fazit: Durch selbstironischen Humor aufgelockertes Superhelden-Epos