Popcorn verdirbt jeden Kinobesuch.
Popcorn verdirbt jeden Kinobesuch. | Bild: Patrick Seeger

Einen Film mit Isabelle Huppert, den lasse ich mir ungern entgehen. Einhelliges Lob von der Kritik gab‘s für ihren neuen Streifen „Greta“ als solchen zwar nicht, für Isabelle Huppert dagegen schon. Sie spielt schon seit Urzeiten gerne die Böse, und das macht sie so gut, dass es eine Freude ist, ihr dabei zuzuschauen.

Isabelle Huppert als Greta in einer Szene des Films „Greta“.
Isabelle Huppert als Greta in einer Szene des Films „Greta“. | Bild: Jonathan Hession Capelight pictures dpa

Wenn nur das Popcorn nicht wäre.

Es stinkt nach Popcorn

Denn es ist doch so: Wer heutzutage ins Kino geht, der landet zunächst mal in einer Art großen Lounge mit Bar, in der es vor allem nach Popcorn riecht. Oder wie ich finde: stinkt. Dieses Futter bleibt leider nicht auf den Vorraum der Filmpaläste beschränkt, sondern flutet geradezu auch die eigentlichen Kinosäle. Egal ob Mann oder Frau, dick oder dünn, allein oder zu zweit, man/frau schleppt die Popcorntüte mit.

Ganze Putzeimer voll Popcorn

Dabei ist Tüte deutlich untertrieben. Ganze Putzeimer voll Popcorn, die bisweilen breiter sind, als die Taillen so manch zierlicher Kinobesucherinnen, werden mitgebracht, dazu ein XXL-Papp-Becher voller Cola, gelegentlich auch eine Flasche Bier. Als Vorspeise oder Nachspeise oder Beilage zum Popcorn gibt‘s dann noch die Nachos, die knusprig-knackig wie sie sind, beim Verspeisen auch entsprechend knusprig-knackige Geräusche machen. Eine echte Hauptmahlzeit.

Kein Entrinnen

Im Falle meines „Greta“-Besuches gab‘s auch kein Entrinnen. Die Suche nach einer möglichst Popcorn-freien Nachbarschaft in dem längst nicht ausverkauften Saal verlief erfolglos. Also, Ohren zu, Nase zu und durch.

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Es folgen die Vorschauen, auf neudeutsch: die Trailer. „Child‘s Play“, ein Horrorfilm. Dann „Ma“, noch ein Horrorfilm. „Brightburn“, ein Horrorfilm. „Crawl“, ein Horrorfilm und schließlich „Annabelle“, auch ein Horrorfilm. Ich übertreibe nicht. Schauen Sie sich die Streifen an, wenn Sie in überschwemmten Gebieten Menschen gegen gefräßige Krokodile in Häusern kämpfen sehen wollen,

Armes Krokodil. Es muss herhalten als Horrortier im Horrorfilm „Crawl“.
Armes Krokodil. Es muss herhalten als Horrortier im Horrorfilm „Crawl“. | Bild: Hotli Simanjuntak epa

wenn Sie Kinder sehen wollen, deren Monsterspielzeug ein Eigenleben führt, oder einen Jungen, der mit übernatürlichen Kräften von Hand das rotierende Messer eines Motorrasenmähers anhält. Sie können sich drauf verlassen: Das Grauen nimmt kein Ende, der Soundtrack besteht aus kreischenden Menschen zu dunkler Musik, und es spritzt reichlich Blut aufs Popcorn.

Einen Moment heile Welt

Dann gab‘s einen kurzen Moment heile Welt mit der Eiswerbung und dem Eisverkauf, danach „Greta“. Ganz ehrlich: Auch das ein Horrorfilm, so gut die Huppert auch spielt. Aber ich hätte den Film nicht gebraucht, bei der eine junge Frau das Opfer einer brutalst-psychopathischen Stalkerin, gespielt von Huppert, wird.

Aus Popcorn werden Killerwürmer

Was macht man aus so einem vermasselten Kinoabend? Nichts. Abhaken, den ganzen Horror in der Disko abtanzen und dann aber kreativ werden. Ich schreibe jetzt das Drehbuch für einen Horrorfilm. Er wird in einem Kino spielen. Verliebte Pärchen sitzen zusammengekuschelt im Kino, vor sich einen Eimer voller Popcorn. Ahnungslos greifen sie zu. Großaufnahme aufs Popcorn. Finstere, Unheil verheißende Musik. Großaufnahme auf die Zunge. Völlige Stille. Dann deutlich zu sehen, das Popcorn bewegt sich. Es sind als Popcorn getarnte Würmer. Killerwürmer (irgendetwas muss killen, das kommt immer gut).

Mein Horrorvorschlag: Aus Popcorn werden Killerwürmer.
Mein Horrorvorschlag: Aus Popcorn werden Killerwürmer. | Bild: epa Rungroj Yongrit

Die Killerwürmer fressen sich durch den Rachen, kriechen schon aus der Nase. Leider kein Happy End.