Wer immer auch am Freitag zum neuen Vorsitzenden der CDU gewählt werden möchte: Er muss neben seinen politischen auch seine schauspielerischen Qualitäten spielen lassen. Die Inszenierung der eigenen Person zählte schon immer zu den Kernkompetenzen eines jeden Politikers. Der legendäre „Spiegel“-Journalist Jürgen Leinemann hatte für sie deshalb einst das Prädikat „Staatsschauspieler“ erfunden.

Wer hat die besten Chancen?

Wir haben vorab Schauspieler und Regisseure in unserer Region gefragt: Wer hat aus ihrer Sicht die besten Chancen? Wer vermag es am ehesten, Hoffnungen und Sehnsüchte auf seine Person zu projizieren? Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn oder Friedrich Merz?

Das sagt Mark Zurmühle, Regisseur und Schauspieldirektor des Theaters Konstanz

Mark Zurmühle
Mark Zurmühle | Bild: Oliver Hanser

Mark Zurmühle räumt erst mal mit dem verbreiteten Vorurteil auf, dass sich verstellen muss, wer ein guter Schauspieler sein will. Zwar bedeute auf der Bühne zu spielen immer auch „glaubhaft zu lügen“. Berührend aber sei Theater nur dann, wenn Menschen „authentische Momente herstellen“ und „für kurze Augenblicke in ihre Seele blicken lassen“. Das sei etwas anderes als das übliche Verstellungsspiel von „Blendern und Fake-News-Produzenten“.

Projektionsfläche für Menschlichkeit

In der Politik wie auch im Theater gehe es darum, durchlässig zu bleiben und sich mit den Nöten und Ängsten der Menschen zu verbinden, kurz: „Projektionsflächen anbieten für Menschlichkeit.“ Und wer wird es nun? Zurmühle sagt etwas sibyllinisch: „Annegret Kramp-Karrenbauer lieber als die anderen.“

Das sagt Felix Strobel, Schauspieler vom Stuttgarter Staatstheater

Felix Strobel
Felix Strobel | Bild: Maks Richter

Der Generalsekretärin räumt auch Schauspieler Felix Strobel vom Stuttgarter Staatstheater gute Chancen ein. Ähnlich wie Zurmühle definiert er gutes Theater als einen „Spagat zwischen gespielter Rolle und gewisser Wahrhaftigkeit“. Leider sei in der Politik zu beobachten, dass die Rolle zunehmend in den Vordergrund trete und der Mensch dahinter fast verschwinde: „Insofern empfinde ich Herrn Merz als geradezu grauenhaft bemüht, ein konservatives Profil abzugeben, ohne sich aus Versehen als zu rechts zu outen.“

Zu krampfhaft bemüht und deshalb ohne Chancen gegen seine Konkurrentin? Wenn sich da mal Schauspieler Felix Strobel nicht täuscht! Mag sein Auftreten auch verbesserungswürdig erscheinen – für viele politische Beobachter bleibt Friedrich Merz ein Favorit.
Zu krampfhaft bemüht und deshalb ohne Chancen gegen seine Konkurrentin? Wenn sich da mal Schauspieler Felix Strobel nicht täuscht! Mag sein Auftreten auch verbesserungswürdig erscheinen – für viele politische Beobachter bleibt Friedrich Merz ein Favorit. | Bild: Silas Stein, dpa

Und Annegret Kramp-Karrenbauer? Strobel sagt: „Ihr ‚glaube ich’, um im Theaterjargon zu sprechen, dass sie sich bei Freunden ähnlich ausdrücken würde wie bei öffentlichen Auftritten.“ Das sei es auch, was ihre Beliebtheit bei CDU-Anhängern erkläre.

Sie landet auf Platz eins – jedenfalls nach Ansicht von Theaterschaffenden. Und die müssen ja wissen, was ein guter Auftritt ist.
Sie landet auf Platz eins – jedenfalls nach Ansicht von Theaterschaffenden. Und die müssen ja wissen, was ein guter Auftritt ist. | Bild: Christian Charisius, dpa

Auch Jens Spahn kommt bei Strobel besser weg als Merz. In ihm erblickt der Schauspieler den „wahren Rechtsstaatsgläubigen und also den privaten, durchaus zähen Charakter eines einigermaßen jungen Politikers“. Auf einer Probe würde er ihm allerdings raten: „Deine Figur muss vom Zuschauer mehr geliebt werden. Arbeite an der Liebe, mit der du etwas sagst!“

Aus und vorbei? Wer weiß, vielleicht wird Jens Spahn ja doch noch der lachende Dritte. Für den Bühnenprofi hat er durchaus Potenzial. Nur an seiner Haltung beim Sprechen müsste er noch arbeiten: "mehr Liebe", sagt Strobel.
Aus und vorbei? Wer weiß, vielleicht wird Jens Spahn ja doch noch der lachende Dritte. Für den Bühnenprofi hat er durchaus Potenzial. Nur an seiner Haltung beim Sprechen müsste er noch arbeiten: "mehr Liebe", sagt Strobel. | Bild: Jörg Carstensen, dpa

Geht es also nach Theaterkünstlern, so hat Friedrich Merz heute denkbar schlechte Karten. Und doch: Wenigstens eine große Rolle ist für ihn schon reserviert. Peter Posniak, Schauspieler am Theater Konstanz, denkt an niemand geringeren als Marie-Antoinette. Die Königin von Frankreich war berühmt für ihr eigenwilliges Verständnis von Volksnähe. Den hungernden Bürgern soll sie empfohlen haben: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!“ Einer „Marie-Antoinette Merz“ schreibt Posniak nun in den Rollentext: „Wenn die Rente nicht reicht, sollen Sie doch Aktien kaufen!“