Herr Tenschert, Sie haben eine Gesamtausgabe der Werke des Schriftstellers Martin Walser auf den Weg gebracht. Was hat Sie dazu getrieben?

Meine nunmehr 20 Jahre währende Freundschaft mit Martin Walser und der Umstand, dass sonst niemand sich dazu imstande sah.

Die Welt der Bücher fragt sich, wie Sie das angestellt haben, die Rechte von Suhrkamp und Rowohlt zu erhalten, dem alten und dem neuen Verlag von Martn Walser …

Die Welt der Bücher sei darüber aufgeklärt, dass in Fragen einer Gesamtausgabe kein Verlag dem Autor die Rechte verweigern darf.

Die Ausgabe wird es in einer Auflage von 999 Exemplaren geben. War das eine Bedingung dafür, dass Sie die Rechte erhielten? Oder hatte es andere Gründe?

Nein, die Auflagenhöhe war keine Bedingung für die Rechte-Erteilung; wir fanden, dass 25 Bände in 999 Exemplaren und einem Gesamtumfang von 11 500 Seiten fürs Erste genug seien, alles in allem elf Millionen und fünfhunderttausend Seiten.

Sie sind Antiquar und ergo Experte, Sie haben auf die Ausstattung der Edition Einfluss genommen?

Die Ausstattung der Ausgabe, von der Wahl des Papiers über die Größe und Art der Type, bis hin zum Format Groß-Oktav – 25 mal 17,5 Zentimeter –, sowie Art und Muster des Pappband-Bezugs – nach Pressendrucken von Dante und Goethe vor etwa 100 Jahren – wurde von mir erdacht und festgelegt.

Will die Edition wissenschaftlichen Standards genügen?

Selbstverständlich, das sagt schon der von Martin Walser und mir gewählte Titel einer „Gesamtausgabe letzter Hand”, außerdem ist Nr. 24 – erarbeitet von Professor Andreas Meier, Uni Wuppertal – ein eigener Band von 276 Seiten mit genauen Inhaltsangaben, Titelregister, editorischen Anmerkungen, Quellenberichten, Copyright-Nachweis und einem riesigen Personenregister. Andreas Meier ist der Herausgeber der großen Walser-Bibliographie von 2012, mit weit über 5000 Einträgen, und verantwortet textlich auch unsere Ausgabe.

Gibt es eine Chance, das Paket mit den 25 Bänden plus Kommentierungsband zu erwerben?

Die Ausgabe wird nicht veranstaltet, um sie gut versiegelt auf eine Umlaufbahn um die Erde zu senden, sondern damit sie auf Dauer sinnvoll unter die Leser gebracht wird. Der Preis wird circa 980 Euro betragen – Subskription bis zum 30. Dezember 2017.

Die Gesamtausgabe wird am 21. März im Literaturhaus in Stuttgart vorgestellt, drei Tage vor Walsers 90. Geburtstag. Eine weitere Vorstellungsrunde am Bodensee ist nicht geplant?

Vorerst nicht, aber vielleicht können Sie ja Martin Walser zu etwas derartigem überreden.

Zur Person

Der 70-jährige Heribert Tenschert lebt als Antiquar, Publizist und Autor in der Bibermühle in Ramsen in der Schweiz. Er begann 1969 ein Studium der Romanistik, Germanistik und Latinistik, das er 1977 abbrach, um in Rotthalmünster ein Buch-Antiquariat zu gründen. Nach erfolgreichem Handel mit bibliophilen Werken der Neuzeit konzentrierte er sich auf mittelalterliche Bücher, insbesondere Stundenbücher. 1993 erwarb er das Landgut Bibermühle. Auch gedruckte Stundenbücher gehören zu Tenscherts Fachgebiet – der Ehrendoktor der Universität Freiburg besitzt die größte Sammlung der Welt. Für Martin Walser, mit dem Heribert Tenschert eine Freundschaft pflegt, hat er aus Anlass von dessen 90. Geburtstag am 24. März eine 25-bändige Werkausgabe veranlasst. Der Wuppertaler Literaturprofessor Andreas Meier steuert den Registerband bei. Die Werkausgabe wird in 999 Exemplaren gedruckt, knapp 980 Euro kosten und am 21. März im Literaturhaus Stuttgart vorgestellt. Bisher liegt eine zwölfbändige, in Walsers altem Verlag Suhrkamp erschienene Ausgabe der gesammelten Werke vor. Sie wurde 1997 von Helmuth Kiesel in Zusammenarbeit mit Frank Barsch herausgegeben. Walser wechselte nach einem Streit um seinen Roman „Tod eines Kritiker“ (2002), der ihm den Vorwurf des Antisemitismus einbrachte, zum Rowohlt-Verlag.