Ich will mir dieses Mal wirklich größte Mühe geben. Ganze Nächte mit Schere und Papier im Keller verbringen. Und doch höre ich jetzt schon wieder diese Ausrufe an Heiligabend: „So packst nur du Geschenke ein!“

Die Kunst des Verpackens bleibt mir ein ewiges Rätsel. Keine Ahnung, wie man so ein Buch einwickelt, ohne dass am Ende vier Ecken überstehen, drei Kanten einreißen und sich Tonnen von Tesafilm über das Papier verteilen.

Nehmen wir nur das Papier selbst. Ganz gleich, für welches Muster ich mich entscheide: Für Weihnachten ist es definitiv ungeeignet. Es sei denn, ich verwende es für ein Geburtstagsgeschenk. Dann nämlich heißt es plötzlich: „Aber warum hast du denn Geschenkpapier für Weihnachten genommen?“

Das Papier passt nie

Will ich das Papier zum Einpacken von der handelsüblichen Rolle ziehen, kringelt es sich auch schon gleich wieder zusammen, kaum dass ich meine Schere angesetzt habe. Und klemme ich es irgendwo fest, reißt es mir dabei ein.

Jedes Mal ist das abgeschnittene Stück zwar lang wie ein Flugzeug, in der Breite aber fehlen genau eineinhalb Millimeter – oder umgekehrt. So lassen sich auf der Suche nach dem passenden Format ganze Quadratkilometer an Papier verschnippeln. Nur um am Ende ein Kästchen von der Größe einer Streichholzschachtel vierseitig abzudecken.

Das Einwickeln selbst ist anfangs noch leicht: einmal von links nach rechts Geschenkpapier ums Buch, Tesastreifen drauf, fertig. Das Problem fängt immer erst mit den Seiten an, die noch offen geblieben sind. Es ist einfach völlig unmöglich, diese Lücken in irgendeiner Weise formschön zu schließen: Meist stopfe ich das überschüssige Papier irgendwie rein und dichte es mit Klebstoff ab.

Lieber Quader als Pyramide

Dabei ist quaderförmige Ware ja noch die leichteste Übung, gewissermaßen die Fliegengewichtsklasse des Geschenkeverpackens. Haben Sie schon mal probiert, eine Pyramide schön ordentlich zu verhüllen? Oder einen Hohlzylinder? Ein Freund wollte einst seiner Liebsten ein Schmuckstück in Form eines Pentagonhexakontaeders schenken: Nach drei Stunden der Fummelei mit Schere, Papier und Tesafilm griff er wutentbrannt zum Vorschlaghammer und zertrümmerte das Ding.

Von Bändern, Schleifen und sonstigem Gewürm will ich gar nicht erst reden. Selbst nach größten Anstrengungen sieht der Kram so aus, als hätte ein Fünfjähriger sich zum ersten Mal die Schuhe geschnürt. Die Damen im Kaufhaus ziehen mal eben mit der Schere drüber – zack! Hat sich das Band auch schon wunderhübsch gekräuselt wie ein Korkenzieher. Versuche ich das, breche ich mir dabei den Arm.

Ich habe gehört, das Leiden am Geschenkpapier sei – na klar! – mal wieder exklusiv uns Männern vorbehalten. Drei Gründe führen die Experten an. Erstens: Die Evolution habe uns eben zum grobschlächtigen Mammutjäger erzogen statt zum filigranen Bastler. Warum aber können wir dann Uhren reparieren? Zweitens: Weibliche Netzhäute seien mit mehr zapfenförmigen Zellen ausgestattet als unsere primitiven Glubscher. Wieso treffen dann unsere Dart-Pfeile? Drittens: Männer sind einfach zu doof. Frohe Vorweihnachtszeit!