„Sprache – Fluchtpunkt – Sprache“: Die 28. Internationale Schopfheimer Mund-Art-Literatur-Werkstatt setzte sich mit der Bedeutung von Mundart und der aktuellen Flüchtlingssituation auseinander. In Lyrik und Prosa reflektierten sechs Autoren über das moderne Leben. Dabei boten die öffentlichen Lesungen in Weil am Rhein, Schopfheim und in der Bibliothek der Allgemeinen Lesegesellschaft Basel ein breites Spektrum an Dialekten von plattdeutsch bis elsässisch.

Der auf schwäbisch moderierende Volker Habermaier ging auf die politische Situation und die Flüchtlingsschicksale ein: „Flichtling sage mr, nenned's a Problem, und moined Mensche: Kender, Fraue, Männer“. Um Menschliches und Nachdenkliches ging es auch in Gedichten, Kurzgeschichten und Werkstatt-Texten.

Max Faistauer, Doyen der Salzburger Mundartliteratur, die Vorarlbergerin Birgit Rietzler, die baseldütsche Liedermacherin Jacqueline Schlegel, der Norddeutsche Heiko Gauert, der Elsässer Pierre Kretz und der alemannische Lokalmatador und Werkstattleiter Markus Manfred Jung machten eindrücklich klar, dass sich in Mundart genauso gut über die großen und wichtigen Dinge des Lebens schreiben lässt wie in Schriftsprache, der gängigen Sprache der Medien, Werbung und Politik.

So hörte man von Rietzler einen sensiblen Text über eine Asylantin, die Deutsch lernt, von Gauert eine Geschichte über einen Mann, den eine Fassbombe in die Flucht treibt, und von Faistauer eine Sprachen-Collage vom Fluchtweg eines Syrers. Tief in menschliche Abgründe blicken ließen die Auszüge aus dem bissigen Prosa-Monolog „Ich ben a beese Frau“ des Straßburger Theater- und Romanautors Kretz. Als Nachfahrin der Minnesänger mit einer Stimme voller Kraft, Temperament und Rebellion sang die Bardin Jacqueline Schlegel über das Leben, die Liebe und amüsierte mit einem Crashkurs gegen Liebeskummer. Nur ein paar Beispiele, wie vielfältig Mundart sein kann.