Es war bis zuletzt nicht sicher, doch nun ist klar: Quentin Tarantinos „Once Upon A Time In … Hollywood“ wird rechtzeitig fertig und läuft beim Filmfestival in Cannes im Wettbewerb. Die Premiere beschert dem Festival mit Brad Pitt und Leonardo DiCaprio einen Glamourschub – und das mit perfektem Timing: 25 Jahre, nachdem Tarantino die Goldene Palme für „Pulp Fiction“ gewann. Sein Film ist einer von 21, die auf der 72. Ausgabe des Festivals um Preise konkurrieren.

Tarantino ist nicht der einzige Hochkaräter im Programm. Es scheint so, als sei das Festival 2018 ein Ausrutscher gewesen. Es hatte weniger Stars und weniger Strahlkraft als gewohnt, manch einer sah das Ende der großen Cannes-Ära nahen. Auch die Kontroverse über Produktionen von Streamingdiensten im Wettbewerb war wenig hilfreich.

Das Zwischentief ist Geschichte

Dieses Mal aber sieht es anders aus: Zumindest auf dem Papier verspricht die Auswahl, nach dem Zwischentief mit einer starken Mischung aus Autorenfilmern, Stars und Glamour wieder zur gewohnten Form aufzulaufen.

Anteil daran haben auch die US-Produktionen, die anders als zuletzt wieder zum Festival kommen. Neben Tarantino kehrt Independent-Ikone Jim Jarmusch mit einem Star-Ensemble nach Südfrankreich zurück und eröffnet das Festival mit „The Dead Don‘t Die“, seiner Version der Zombie-Apokalypse mit Bill Murray und Iggy Pop.

Kommt Elton John nach Cannes?

Ebenfalls ein Star-Spektakel, wenn auch außer Konkurrenz, verspricht „Rocketman“, mit dem Regisseur Dexter Fletcher nach „Bohemian Rhapsody“ abermals eine Künstlerbiografie ins Kino bringt. Dieses Mal steht Elton John im Fokus, der neben den Hauptdarstellern Taron Egerton und Jamie Bell zur Premiere auf dem roten Teppich erwartet wird.

In der Konkurrenz um die Goldene Palme treten sich einmal mehr die namhaften Autorenfilmer fast schon auf die Füße. Ken Loach zeigt „Sorry We Missed You“, Pedro Almodóvar „Pain and Glory“ und Terrence Malick das deutschsprachige Zweiter-Weltkriegs-Drama „A Hidden Life“ – mit dem verstorbenen Bruno Ganz bei einem seiner letzten Auftritte.

Auch neue Gesichter sind dabei

Xavier Dolan gehört mit „Matthias und Maxime“ zu den jungen, Regisseur Ira Sachs mit „Frankie“ zu den neuen Gesichtern im Wettbewerb. Überhaupt hat Festivalleiter Thierry Frémaux mehr Unbekannte in die Wettbewerbsgleichung eingebaut – wenn auch nur vier Regisseurinnen. Die Kritik an dem von Männern dominierten Wettbewerb kann er so nur etwas abschwächen.

Ob das Festival mit der verheißungsvollen Auswahl zu alter Form zurückfindet? Das steht am 25. Mai fest, wenn die Jury die Goldene Palme verleiht.