Peter Handke bekommt also den Literatur-Nobelpreis 2019. Ja, nun: warum nicht? Vielleicht, weil dieser Nobelpreis wieder mal zu spät kommt.

Entschuldigung fürs Warten

In den 60er-Jahren, als er noch lustvoll sein eigenes Publikum beschimpfte, wäre es ein starkes Signal gewesen. Oder später, als er mit proserbischen Texten die politische Elite provozierte. Was hätte damals so ein Literatur-Nobelpreis für eine mutige Entscheidung bedeutet! Heute ist der Preis bloß noch eine Entschuldigung fürs lange Warten.

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Dagegen wirkt die nachträgliche Verleihung des Nobelpreises 2018 an Olga Tokarczuk erfrischend aktuell. Und zwar gerade deshalb, weil wir hierzulande – seien wir ehrlich – kaum etwas von ihr gelesen haben.

Dabei erhitzt ihr aktueller Roman in Polen dermaßen die Gemüter, dass sich selbst Spitzenpolitiker genötigt sehen, das mehr als tausend Seiten starke Werk zu wälzen. Solchen Autoren eine Aufmerksamkeit über die Sprachgrenzen hinaus zu verschaffen: Das kann ein Nobelpreis leisten.

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