Das sogenannte „Tripelkonzert“ von Ludwig v. Beethoven zählt zu den großen, virtuos ausgerichteten Beispielen der klassischen Konzertliteratur, ist aber selten live zu hören. Schön, dass solche Werke im Programm der Philharmonie auftauchen! Drei Solisten in einem Konzert – das macht es nicht unbedingt leichter. Ausgewiesene Spezialisten der Kammermusik waren am Start und gingen es mit Schwung an. Gustav Rivinius am Cello eröffnete den Soloreigen wie ein Vorsänger und gab seine Führungsrolle auch nicht mehr ab. Seine Energie, seine Präzision, gepaart mit musikalischem Esprit, von seinen beiden Solo-Partnerinnen Anke Dill (Violine) und Carmen Piazzini (Klavier) dankbar aufgenommen, war die Basis für ein einvernehmliches Gestalten des Trios.

Ein entspannt „singendes“ Solocello eröffnete auch den zweiten Satz, den Beethoven als verinnerlichte Poesie gestaltet hat. Schade nur, dass die wie ein zartes Liebeslied komponierten Melodien von den Klavierarpeggien etwas arg bedrängt wurden. Das erfrischende Rondo zum Abschluss erfreute dagegen in tänzerischem Gestus, mit kecken Imitationen, kleinen musikalischen Neckereien und mit bravourös gemeisterten, virtuosen Zwischenrufen des Solistentrios, eine echte Frühlingsmusik, die gut zum 21. März passte, auch wenn die Besucher an diesem Tag noch dicke Mäntel an der Garderobe abgaben.

Im zweiten Teil ein romantisches Seelengemälde aus der Feder des unbekannten und früh verstorbenen Komponisten Guilaume Lekeu. Sein „Adagio für Streicher“ kann als Reflektion über Richard Wagner gelten, von dessen Musik er als 19jähriger bei einem Besuch in Bayreuth sehr beeindruckt gewesen ein soll.

Nach dem geheimnisvollen Beginn der Bässe entpuppte sich das Werk als eine traurig-schöne Phantasie. Modale Wendungen stellen Fragen, übereinander geschichtete Motive stiften Verwirrung, Steigerungen führen scheinbar zu Antworten, die wiederum zu Fragen werden. Das Sahnehäubchen zum satten Streichersound kam von den orchestereigenen Solisten Kyoko Tanino, Hans-Jürgen Mohr und John Wennberg mit einfühlsam musizierten Solokantilenen. Ari Rasilainen gab ein erstaunlich flottes Tempo vor, das keine Schwüle aufkommen ließ, aber auch etwas ungeduldig daherkam. Doch fein ausgekostete Agogik und das (im Konzilraum) kaum noch hörbare Pianissimo ließ aufhorchen. Man mochte sich gerne vorstellen, welche Wirkung das Stück in einem akustisch vorteilhaften Konzertsaal haben könnte.

Düster-dunkler Raum, gespenstisch anmutende Paukentöne, so beginnt „Tod und Verklärung“, die neben „Till Eulenspiegel“ beliebteste sinfonische Dichtung von Richard Strauss, vom groß besetzten Orchester und dem Dirigenten mit Lust präsentiert. Hier zeigte sich das Konzertmotto „Leidenschaft“ ungebremst.

Die farbenreiche Partitur war im Detail ausgehorcht: heftige Dialoge, widerstrebende Kräfte zwischen ermattenden Fieberträumen und angenehmen Erinnerungen an Kindheit und Jugend, aufwühlende Schmerzensschreie in beängstigender Lautstärke und – endlich Licht am Ende des Tunnels: das Verklärungsthema, zunächst nur angedeutet, dann in voller Größe und Schönheit als Symbol der romantischen Erlösungssehnsucht, am Ende zeitlos zerfließend. Lang anhaltender Beifall aus vollem Haus.