Die Zuversicht ist ungebrochen. Trotz anhaltend rückläufiger Umsätze hofft der deutsche Buchhandel auf einen Aufwind. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, hatte unlängst gesagt, Buchhandlungen und Verlage arbeiteten hart daran, das Buch wieder stärker zu den Menschen zu bringen. Wie sieht der kommende, möglicherweise rettende Bücherfrühling aus? Um es vorweg zu nehmen: Ein Topseller wie einst Harry Potter ist nicht in Sicht, aber viele gute Bekannte und vielversprechende Debütanten sind angekündigt.

Das Cover des Buches "Serotonin" des Franzosen Michel Houellebecq.
Das Cover des Buches "Serotonin" des Franzosen Michel Houellebecq. | Bild: Dumont

Das Jahr wird von zwei höchst unterschiedliche Franzosen eröffnet. Provokateur Michel Houellebecq („Unterwerfung“) legt seinen neuen Roman vor, der Anfang Januar zeitgleich in Frankreich und Deutschland erscheint. Beim Verlag Dumont kommt das Buch unter dem Titel „Serotonin“ heraus. Serotonin gilt gemeinhin als Glückshormon. Erste Hinweise auf den Inhalt gab Houellebecq (60) dem französischen Nachrichtensender „France 2“. Sein nächstes Buch werde mit Gefühlen zu tun haben. Er glaube, er werde mit der Politik aufhören. In „Unterwerfung“ schrieb Houellebecq über eine fiktive Islamisierung Europas.

Die autobiografische Geschichte "Wer hat meinen Vater umgebracht" stammt von Édouard Louis.
Die autobiografische Geschichte "Wer hat meinen Vater umgebracht" stammt von Édouard Louis. | Bild: S. Fischer

Der zweite Franzose, der ebenfalls polarisiert, ist der 26 Jahre alte Schriftsteller Édouard Louis. Wieder ist es eine autobiografische Geschichte, die im Januar im Fischer-Verlag erscheint. „Wer hat meinen Vater umgebracht“ ist der Titel dieses „emotionalen, persönlichen und hochpolitischen Buches“. Louis' Debüt-Roman „Das Ende von Eddy“ (2015) wurde für den Prix Goncourt nominiert.

Hans Magnus Enzensberger tritt mit "Eine Experten-Revue in 89 Nummern" in den Dialog.
Hans Magnus Enzensberger tritt mit "Eine Experten-Revue in 89 Nummern" in den Dialog. | Bild: Suhrkamp

Unter den deutschsprachigen Schriftstellern sind viele alte Bekannte für 2019 angekündigt. Es sieht aber weniger nach Romanen aus. Von Hans Magnus Enzensberger erscheint bei Suhrkamp „Eine Experten-Revue in 89 Nummern“ als ein „Dialog zwischen der Natur und einem Unzufriedenen: Vom Dämon der Arbeitsteilung“.

Clemens J. Setz' Buch "Der Trost der runden Dinge" enthält Erzählungen.
Clemens J. Setz' Buch "Der Trost der runden Dinge" enthält Erzählungen. | Bild: Suhrkamp

Clemens J. Setz kommt mit Erzählungen zusammengefasst unter dem Titel „Der Trost runder Dinge“ (Suhrkamp) in die Buchläden.

Christoph Hein veröffentlicht in "Gegenlauschangriff" Anekdoten.
Christoph Hein veröffentlicht in "Gegenlauschangriff" Anekdoten. | Bild: Suhrkamp

Christoph Hein veröffentlicht in „Gegenlauschangriff“ Anekdoten aus dem „letzten deutsch-deutschen Kriege“ im selben Verlag.

Durs Grünbein versammelt in "Aus der Traum" Aufsätze und Notate.
Durs Grünbein versammelt in "Aus der Traum" Aufsätze und Notate. | Bild: Suhrkamp

Durs Grünbein vereint Aufsätze und Notate in „Aus der Traum (Kartei)“ bei Suhrkamp.

Wolf Biermann versammelt in "Barbara" Erzählungen aller Art.
Wolf Biermann versammelt in "Barbara" Erzählungen aller Art. | Bild: Ullstein

"Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten", so lautet der Untertitel von Wolf Biermanns Erzählungen „Barbara“, die bei Ullstein erscheinen. Der Liedermacher wird sie persönlich bei der Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März 2019) vorstellen.

Axel Milbergs Roman "Düsternbrook" erzählt "über eine großbürgerliche Familie, die in Unordnung gerät".
Axel Milbergs Roman "Düsternbrook" erzählt "über eine großbürgerliche Familie, die in Unordnung gerät". | Bild: Piper

Der Schauspieler Axel Milberg (Kieler „Tatort“) veröffentlicht mit „Düsternbrook“ bei Piper einen Roman „über eine großbürgerliche Familie, die in Unordnung gerät“. Axel Milberg wurde 1956 in Kiel-Düsternbrook geboren.

Moderatorin Sarah Kuttner legt mit "Kurt" ihren zweiten Roman vor. Thema ist die Familie.
Moderatorin Sarah Kuttner legt mit "Kurt" ihren zweiten Roman vor. Thema ist die Familie. | Bild: S. Fischer

Die Familie ist auch Thema inSarah Kuttners zweitem Roman. Die Moderatorin erzählt in „Kurt“ von einer ganz normalen komplizierten Familie, davon, was sie zusammenhält, wenn das Schlimmste passiert, wie der Fischer Verlag ankündigt.

Mit Spannung erwartet: Marion Braschs Roman "Liebe woanders".
Mit Spannung erwartet: Marion Braschs Roman "Liebe woanders". | Bild: S. Fischer

Gespannt sein darf man auf Marion Braschs „Lieber woanders“ – eine Geschichte vom Leben und Überleben (Fischer).

Bestseller-Autorin Elena Ferrante veröffentlicht ihren neuen Roman "Frau im Dunkeln".
Bestseller-Autorin Elena Ferrante veröffentlicht ihren neuen Roman "Frau im Dunkeln". | Bild: Suhrkamp

Suhrkamp setzt noch einmal auf Elena Ferrante. Die italienische Erfolgs-Autorin landete in den vergangenen Jahren mit ihrer Tetralogie „Meine geniale Freundin“ einen Weltbestseller. Jetzt erscheint der Roman „Frau im Dunkeln“ über die Frage, was es bedeutet, Frau und Mutter zu sein.

Ian McEwan ist immer für einen Bestseller gut. Ob das auch bei "Maschinen wie ich" klappt?
Ian McEwan ist immer für einen Bestseller gut. Ob das auch bei "Maschinen wie ich" klappt? | Bild: Diogenes

Der Brite Ian McEwan – immer gut für einen Bestseller – veröffentlicht bei Diogenes „Maschinen wie ich“. Darin stellt ein Roboter ein junges Liebespaar vor ein „gefährliches moralisches Dilemma“.

Zu Fontanes 200. Geburtstag erscheint "Heute ist irgendwie ein komischer Tag – Meine Wanderung durch die Mark Brandenburg" von Cornelius Pollmer – laut Verlag ein Country-Road-Movie.
Zu Fontanes 200. Geburtstag erscheint "Heute ist irgendwie ein komischer Tag – Meine Wanderung durch die Mark Brandenburg" von Cornelius Pollmer – laut Verlag ein Country-Road-Movie. | Bild: Penguin

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane ist eine Vielzahl von Publikationen angekündigt, vom Meister selbst und über ihn. Etwas aus der Reihe dürfte das Buch „Heute ist irgendwie ein komischer Tag – Meine Wanderung durch die Mark Brandenburg“ des Journalisten Cornelius Pollmer fallen. Der Penguin-Verlag kündigt es als Country-Road-Movie an – „frisch, unverstaubt, rasant“, von Fontane inspiriert.

In "Ein Sohn ist uns gegeben" von Donna Leon löst Commissario Brunetti seinen 28. Fall.
In "Ein Sohn ist uns gegeben" von Donna Leon löst Commissario Brunetti seinen 28. Fall. | Bild: Diogenes

Eine feste Bank für alle Krimi-Freunde sind die Bestseller-Autoren des Frühjahrs. So lässt Donna Leon Commissario Brunetti in „Ein Sohn ist uns gegeben“ seinen 28. Fall lösen (Diogenes).

Martin Walkers "Menu surprise" lässt zum elften Mal seinen Chef de police Bruno ermitteln.
Martin Walkers "Menu surprise" lässt zum elften Mal seinen Chef de police Bruno ermitteln. | Bild: Diogenes

Der Schotte Martin Walker beschert seinem Chef de police Bruno mit „Menu surprise“ den elften Fall in seiner französischen Wahlheimat (ebenfalls Diogenes).

Ingrid Nolls "Goldschatz" ist als "liebevolle ironische Tragikomödie" angekündigt.
Ingrid Nolls "Goldschatz" ist als "liebevolle ironische Tragikomödie" angekündigt. | Bild: Diogenes

Im selben Verlag erscheint „Goldschatz“ der großen alten Dame des deutschen Kriminalromans, Ingrid Noll, als „liebevolle ironische Kriminaltragödie“.

"All die unbewohnten Zimmer" von Friedrich Ani verspricht Spannung.
"All die unbewohnten Zimmer" von Friedrich Ani verspricht Spannung. | Bild: Suhrkamp

Beste Spannung verspricht natürlich der preisgekrönte Friedrich Ani in „All die unbewohnten Zimmer“. Er schlage einen Weg durchs Gestrüpp unserer politischen und individuellen Verfasstheit, heißt es bei Suhrkamp.

Heinrich Steinfest bringt den einarmigen Detektiv Cheng zurück: "Der schlaflose Cheng".
Heinrich Steinfest bringt den einarmigen Detektiv Cheng zurück: "Der schlaflose Cheng". | Bild: Piper

Heinrich Steinfest kehrt nach Angaben von Piper nach vielen Jahren und Romanen zu seinem einarmigen Detektiv Cheng zurück. „Der schlaflose Cheng“ heißt der neue Fall.

Der britische Historiker Ian Kershaw setzt mit "Achterbahn – Europa 1959 bis heute" seinen preisgekrönten Bestseller "Höllensturz" fort.
Der britische Historiker Ian Kershaw setzt mit "Achterbahn – Europa 1959 bis heute" seinen preisgekrönten Bestseller "Höllensturz" fort. | Bild: DVA

Schier unüberschaubar ist der Markt mit Ratgeber- und Sachbüchern, die fast kein Lebens- oder Politikfeld auslassen. Hervorgehoben sei unter den neuen Sachbüchern aber Ian Kershaws „Achterbahn – Europa 1950 bis heute“ (DVA). Der britische Historiker setzt damit seinen preisgekrönten Bestseller „Höllensturz“ fort, in dem er die Geschichte Europas von 1914 bis 1949 meisterhaft analysierte.