Plötzlich war Japan in. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das Land der aufgehenden Sonne seine selbst gewählte Isolation aufgegeben und sich der Welt geöffnet. Westliche Technik kam jetzt hierher. Umgekehrt exportierte Japan Waren wie Tee, Lack- oder Bambus-Arbeiten in alle Welt – eingepackt in Farbholzschnitte. In Europa erkannte man deren künstlerischen Wert. Eine wahre Sammel-Leidenschaft für japanische Holzschnitte und andere Kunst setzte ein. Eine Folge davon war: Künstler wie Édouard Manet, Paul Gauguin und Vincent van Gogh wählten nun auch fernöstliche Motive. Oder sie malten im Stil der Ukiyo-e, eines Genres der japanischen Malerei und Druckgrafik. Japonismus nennt man diese Begeisterung für die japanische Kultur.

Hinreißende Ausstellung

In Freiburg hatte der Japonismus eine Filiale. Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert knüpfte der Ostasien-Kenner Ernst Grosse geschäftliche Kontakte nach Edo. Holzschnitte von Meistern wie Hokusai, Hiroshige und Kunisada gingen weg wie warme Semmeln. Aus der in städtischem Besitz befindlichen Sammlung Grosse speist sich jetzt eine hinreißende Ausstellung mit 60 hochkarätigen japanischen Farbholzschnitten im neuen Haus der Graphischen Sammlung. Sozusagen um die Ecke zeigt das Augustinermuseum in der Ausstellung „Julius Bissier und Ostasien“ zudem, wie sich der Künstler, der in der Zeit des Nationalsozialismus im inneren Exil in Hagnau am Bodensee lebte, von japanischer und chinesischer Kunst inspirieren ließ.

Landschaften und Frauen

Besonders beliebt waren in Europa und so auch in Freiburg Farbholzschnitte mit Darstellungen von Landschaften sowie von japanischen Frauen – was durchaus westlichen Sehgewohnheiten entsprach: Die Landschaft und das Figurenbild beziehungsweise Porträt sind traditionelle Gattungen der westlichen Kunst. Hier konnte die Kunst aus Japan sozusagen andocken. Zahlreich sind in der Schau auch Drucke mit japanischen Frauen – darunter wundervolle Darstellungen von Uamaro und Kunisada – sowie mit Landschafts-Motiven: etwa Blätter aus Hokusais „36 Ansichten des Berges Fuji“ und Hiroshiges „100 Ansichten berühmter Orte Edos“.

Der Erfolg von Frauen-Darstellungen hat noch einen weiteren Grund. Mit Japan, ja, dem Orient allgemein verbinden sich Fantasien sexueller Ausschweifung – ein Bild, das sich bis heute erhalten hat. Be­zeichnenderweise galten Geishas, wie sie etwa ein Holzschnitt von Utamaro zeigt, im Westen als Liebes­dienerinnen – was sie mitnichten sind. Ihr Metier ist vielmehr die Unterhaltung mit Gesang, Tanz und Musik. Das westliche Missverständnis ist wesentlich für die Verlockungen einer erotisch aufgeladenen Exotik, die westliche Betrachter aus japanischen Holzschnitten glaubten herauslesen zu dürfen. Im Fall von Porträts berühmter Kurtisanen in Holzschnitten Utamaros ist diese Sicht durchaus angemessen. Ein erotischer Unterton ist in Freiburg auch in Blättern wie Utamaros ausdrucksvollem „Gespräch der Liebenden“ oder Kunisadas „Heimlicher Verabredung im Schnee“ spürbar. Liebhaber freizügiger Sex-Szenen aber kommen hier nicht auf ihre Kosten.

In Japan selbst waren das beliebteste Genre Szenen des Kabuki-Theaters und Porträts von Schauspielern. Auch davon hat die Freiburger Schau einiges bieten. Hinzukommen Blätter mit Darstellungen von Dämonen und Gespenstern, einige Stillleben sowie Surimono – privat, etwa anlässlich einer Heirat in Auftrag gegebene Drucke. Auch einige ganz frühe Holzschnitte sind zu sehen.

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