Am 2. Dezember, dem ersten Adventssonntag, jährt es sich zum 40. Mal: Der „Seekuh-Jazzclub-Konstanz“ wurde 1978 aus der Taufe gehoben. Zwar gab es schon seit den 1920er Jahren Jazz in Konstanz, aber nun erhielt diese Musik in der legendären „Seekuh“ ihre Heimstatt.

Bernd Konrad war dabei

Mit dabei war damals schon Gitarrist, Bassist und Posaunist Uli Körner (77), der zusammen mit Drummer Gabriel (Gaby) Kemmler im früheren Lokal „Piroschka“ (Gasthof Hohenzollern) das Lokal führte und Bier ausschenkte. Auch Saxophonist Bernd Konrad (71) gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Körner erinnert sich, wie er Konrad schon Anfang der 1960er Jahre kennenlernte: „Ich hörte nebenan jemanden Saxophon spielen, schellte beim Nachbarn und fragte, ob ich mit ihm auf der Gitarre spielen könne.“ Bernd Konrad: „Der Jazz war damals noch ziemlich neu hier, aber immerhin hatte Joachim-Ernst Berendt schon 1965 das Blues-Festival nach Konstanz geholt.“ Und Uli Körner ergänzt: „1978 gab es eine regelrechte Jazz-Euphorie in Konstanz, jeder der ein Instrument hatte, spielte ihn, es war wie ein Erwachen. Wir hatten auf 27 qm bis zu 180 Konzerte im Jahr.“

Nächtelang am Klavier

Das erste Konzert des neuen Seekuh-Jazz-Clubs am 10.12.1978 bestritten Uli Körner (Bass), Franco Manzecchi (Drums) und Philippe Baudoin (Piano). Auch Francis David war in dieser Zeit oft nächtelang am Klavier zu hören. Patrick Manzecchi (49) erinnert sich: „Mein Vater, der Schlagzeuger der mit meiner Mutter Mimi und mir von Paris nach Konstanz gezogen war und der leider schon 1979 verstarb, fand den Seekuh-Biergarten mit der Laube gut. Er freundete sich mit Uli Körner an, weil dort dauernd Jazz-Musik lief und regte an, einen Jazzclub zu gründen.“ Kein Wunder, dass Patrick Manzecchi, der in die Fußstapfen seines Vaters trat, schon 1980 mit elf Jahren Ehrenmitglied des Clubs wurde, ebenso auch Bernd Konrad: „Wir hatten den Verein gegründet, um den Jazz in der Stadt stabil zu halten und auch von Stadt und Land finanzielle Unterstützung zu bekommen.“

Jazz in der Konzilstraße

Mittlerweile war die Lokalität in „Jazz in der Konzilstraße 1“ umbenannt worden, man spielte von Dixieland über Swing und Bebop bis zum Jazzrock alles, was an Stilen en vogue war. Roland Baumgärtner (65), Vorsitzender seit 2000 bis heute des nun „Jazzclub Konstanz“ genannten Vereins: „Heute machen auch wieder viele junge Leute Jazz, aber es vermischen sich die Stile. Aus Pop und HipHop, aus Neuer Musik und Klassik kommen sie zum Jazz. Wir wollen natürlich junge Jazz-Musiker fördern, kooperieren mit Schulen und geben Studenten die Möglichkeit, aufzutreten.“ Derzeit realisiert man etwa acht bis zehn Konzerte pro Jahr und organisiert den Jazzherbst. Man regt Projekte an und sucht Kooperationspartner. Baumgärtner: „Die Kooperation am See ist recht schwierig. Aber für Mai 2019 haben wir Bands aus Romanshorn und St. Gallen, mit denen wir zusammenarbeiten.“

Größere Vielfalt

Patrick Manzecchi: „Früher war es einfacher für die Jazz-Musiker, Karriere zu machen. Heute ist es viel schwerer, auf sich aufmerksam zu machen, dafür ist die musikalische Vielfalt größer.“

Das Festprogramm vom 29. November bis zum 3. Dezember vereint Musiker, die schon in den Anfangsjahren zu hören waren, etwa Bernd Konrad, Patrick Manzecchi, Francis David, Ewald Hügle, Steffen Schorn oder Gregor Hübner. Manche Bands spielen immer noch zusammen, andere werden eigens fürs Jubiläum nochmals zusammengerufen. Die Veranstaltungsreihe bietet auch dem Nachwuchs eine Bühne und präsentiert in der Seekuh und im K9 jeweils eine Fotoausstellung. Und im Kulturzentrum gibt es dazu ein Matineé-Gespräch.

Roland Baumgärtner: „Wir wollen auch weiterhin gute Musik machen und hören, die nicht unbedingt auf den Publikumsgeschmack ausgerichtet ist. Ein buntes Allerlei können und wollen wir angesichts der wenigen Konzerte nicht liefern.“