Die Welt steckt doch voller Probleme. Sie ist sozusagen ihr eigenes Problem-Universum. Überall harzt und knarzt es. Morgens gibt der Wasserkocher den Geist auf, dann ist der WLAN-Router im Streik, später die Batterie der Fernbedienung leer, das Konto ist im Soll, und der Klappdeckel vom Mülleimer bewegt sich auch nicht mehr. Jeder kennt das. Und fragt sich täglich: Muss das so sein? Denn eigentlich müsste die Welt doch längst problemfrei sein. Denn es gibt ja eine Million Lösungen für alles und jedes. Wir müssten also sorgenfrei leben können!

Lösungen über Lösungen finden sich überall, wo Hersteller, Entwickler und Anbieter für ihre Künste werben. Der eine hat die Lösung für Rolläden, der nächste für Präzisionsstanzteile, der übernächste für staubfreies Düngen auf dem Acker. Lösungen gibt es für Flugabwehrkanonen, Sommerhitze im Büro, Messtechnik, Eheprobleme und gerötete Füße. Man muss bei Google nur einen Namen, ein Schlagwort und dazu „Lösung“ eingeben – schon treffen wir auf eine Lawine von Kompetenz.

Die Deutschen können alles

Sagenhaft, was wir allein in Deutschland alles können. Wir haben – beginnen wir mit dem Einfachen – die „vernünftige Lösung“, etwa für Prügeleien auf dem Schulhof. Besinnlich wird’s bei der „geistigen Lösung“, während Ingenieure die „wasserdichte“ und Autoverkäufer die „garantierte Lösung“ bevorzugen. Wenig Gedanken macht sich, wer die „passende Lösung“ (gähn) anbietet, etwas weiter vorn ist der mit der „innovativen Lösung“ – etwa für Handfeuerwaffen und Sprengstoffe. Der Manager wählt die „kostengünstige Lösung“, der Bedenkenträger eine „mögliche Lösung“, der Diplomat eine "verbindliche Lösung". Leute mit weniger Zeit oder Politiker in einer Spendenaffäre suchen die „naheliegende Lösung“, und wenn man im Clinch liegt, will man „zusammen eine Lösung“.

Spannend wird es, wenn uns Software-Schmieden und Geldinstitute verkünden, sie hätten die Lösung für uns, auch wenn wir sie noch gar nicht kontaktiert haben. Aber vielleicht gibt es ja irgendwelche feinen Schwingungen, welche die Alleslöser mein Problem erfühlen lassen. So wäre es ja durchaus denkbar, dass ein Gastwirt eine Lösung für meinen Hunger anbietet, obwohl ich noch gar nicht bestellt habe.

Jeder bietet Lösungen an

Hier stehen für die Werbung wunderbare Möglichkeiten bereit. Etwa für die Verleiher von Dixi-Klos: „Wir bieten die Lösung für ihre Bedürfnisse!“ Auch der Bäcker könnte Lösungen statt nur Backwaren anbieten, die Kirchen könnten sich um Lösungen bei der Sinnsuche bemühen und Ärzte um Lösungen gegen verstauchte Gelenke und Kampfsport-Clubs um Lösungen im Fall von Muffensausen.

Es ist alles wunderbar einfach geworden. Ganz anders war das früher, wenn wir uns zurückerinnern – etwa an das Grauen des Mathe-Unterrichts. Da mussten wir um Lösungen ringen. Manchmal kam der Lehrer zu einer ganz anderen Lösung als wir. Lösungshefte waren für hinterher. Man musste erst ackern – dann gab es als Belohnung eine Lösung oder eine Fünf. Heute heißt die Lösung „Lernhilfe“ (früher: Nachhilfe) und wenn das nichts nützt, müssen wir eine andere Lösung finden.

Leider weiß ich jetzt immer noch nicht, warum das Schlaraffenland in weiter Ferne liegt. Das muss ich hier unbeantwortet lassen. Es sei denn, es findet jemand eine Lösung.