Christoph Nix, noch bis zum Sommer kommenden Jahres Intendant der Konstanzer Bühne, hat das Theaterschiff „Atlantis“, eine im Spielplan angekündigte Schiffspassage mit Texten von Maximilian Lang in der Regie von Andre Woron versenkt, sprich: abgesagt. Das Schiff, seit jejer Sinnbild für die Begegnung zwischen Welten, sollte im Mai kommenden Jahres auf dem Bodensee kreuzen.

„Engagement nicht erwünscht“

Es fehle ihm die Energie, das Projekt zu realisieren, erklärte Nix bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

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Die „Grenzen der Selbstausbeutung“ seien schon lange überschritten. Jetzt reiche es. Engagement, so der streitbare Konstanzer Intendant, sei in der Stadt weder erwünscht, noch werde es gewürdigt. Außerdem stellte er eine Spaltung des Ensembles fest – Nix sprach von „Verfall“, berichtete von Tränen.

Der Hintergrund: 34 der (insgesamt 78) Mitarbeiter mit künstlerischem Vertrag, die mit ihm in Konstanz angefangen haben, würden von seiner Nachfolgerin Karin Becker – zurzeit noch am Thalia Theater in Hamburg – nicht übernommen. Sie verlieren ihren Job.

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Mit dem Projekt „Atlantis“ sollten sowohl Geschichte und Mythen aus der Bodenseeregion dramatisiert als auch die drei Anrainerstaaten und Städte bespielt und verbunden werden. Dafür wurden dem Theater von der Baden-Württemberg Stiftung gut 50 000 Euro sowie von weiteren Sponsoren noch einmal dieselbe Summe in Aussicht gestellt. Gelder, die jetzt unberührt bleiben.

Eine Pinwand im Zimmer des Intendanten. Hier hat Christoph Nix die Frustration in seinem Team dargestellt. Es geht um Widerstände aus der Stadtverwaltung, um 34 Mitarbeiter, die gehen müssen.
Eine Pinwand im Zimmer des Intendanten. Hier hat Christoph Nix die Frustration in seinem Team dargestellt. Es geht um Widerstände aus der Stadtverwaltung, um 34 Mitarbeiter, die gehen müssen. | Bild: Kopitzki, Siegmund

Die im Zusammenhang mit „Atlantis“ entstandenen Kosten liegen laut Nix bei 3000 Euro – Honorar an den Bregenzer Autor der geplanten Schiffspassage. Von einem finanziellen Schaden, wie in Teilen des Gemeinderats und innerhalb der Verwaltung geunkt worden sein soll, könne keine Rede sein. Auch die Kooperationspartner zeigten Verständnis für das Aus des Theaterschiffs.

„Faktenpapier„ zum Bodenseeforum

Das Thema Finanzen war damit aber nicht abgeschlossen. Christoph Nix lenkte den Blick auf das prekäre Bodenseeforum. Mit dem Geld, das dort jährlich hineinfließt, mehr als zwei Millionen Euro, hätte man das Stadttheater sanieren können. Der Intendant legte ein „Faktenpapier Bodensee-Forum“ vor, das ein Team der Universität Konstanz erstellt haben soll – Namen nannte er nicht –, in dem vor allem der Oberbürgermeister (OB) Uli Burchardt im Fokus steht.

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Von „mangelndem Fingerspitzengefühl“ ist die Rede. So habe der OB zugelassen, dass seine Ex-Frau ohne Ausschreibung als Beraterin engagiert worden sei – Burchardt hatte damals angegeben, nicht in diese Entscheidung eingezogen gewesen zu sein. In dem „Papier“ werden nicht nur überhöhte Baukosten moniert, Mehrkosten für drei geschmissene Geschäftsführer, sondern die Verwaltungsspitze kritisiert für ihre „unrealistische Einschätzung“, dass das Haus nach zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben würde. Der OB habe es unter anderem auch versäumt, eine „belastbare Markanalyse“ erstellen zu lassen.

Das Stadttheater Konstanz bekommt im komenden Sommer eine neue Leitung.
Das Stadttheater Konstanz bekommt im komenden Sommer eine neue Leitung. | Bild: Michael Lünstroth

„Bis 2021 hat die Stadt 28 Millionen Euro ins Bodenseeforum gesteckt“, laute die Prognose von Nix, damit würden den anderen Kultureinrichtungen Geld entzogen. Kritisch äußerte sich der Intendant darüber, dass Mitarbeiter des Theaters offenbar vom Bodenseeforum abgeworben worden seien.

„Alte Fehler wiederholt“

Zu den Vorwürfen von Nix liegt inzwischen eine Stellungnahme der Stadtverwaltung vor. Pressesprecher Walter Rügert schreibt: „Das von Prof. Dr. Dr. Christoph Nix am 07.11.19 präsentierte ‚Faktenpapier Bodenseeforum‚ enthält in der Sache nichts Neues. Die Sachverhalte wurden von der Verwaltung längst aufgearbeitet, im Rat diskutiert, offen kommuniziert und durch die Presse bewertet und eingeordnet. Dass das Papier auch alte systematische Fehler wiederholt, wie zum Beispiel die Ausweisung von Abschreibungen als ungeplante Defizite, zeugt von eher wenig ausgeprägten fachlichen Kompetenzen der Verfasser. OB Burchardt sieht insofern keinen Anlass, zu dem Papier Stellung zu beziehen.“

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Obschon Intendant Nix erst in neun Monaten aus dem Amt scheidet, zog er eine kurze Bilanz. 14 Jahre habe das Theater jährlich mehr als 100 000 Besucher gezählt, verkündete er. Davor habe die Quote bei 80 000 gelegen. Dabei habe man nicht nur im Großen Haus oder in der Spiegelhalle gespielt, sondern auch im Gefängnis, auf der Alten Fähre, in Wohnzimmern, auf dem Säntis, in Krankenhäusern und Kitas. Was davon in der nächsten Spielzeit unter der neuen Intendanz übrig bleibt – darauf wusste Nix keine Antwort.

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Trotz der „Atlantis“-Absage, trotz eines „müden Ensembles“, wolle er den Spielplan erfüllen. Allein in diesem Monat stünden vier Premieren an. Und er kündigte – erstaunlicherweise – eine Produktion an, die im Sommer über die Bühne gehen soll, ein mehrtägiges Opern-Gastspiel in Kooperation mit der Sardinischen Philharmonie. Das Thema der Oper ist Antonio Gramsci gewidmet, einem italienischen Schriftsteller, Journalisten, Politiker und Philosophen. Gramsci gehört zu den Begründern der Kommunistischen Partei Italiens. Das Gastspiel könnte neben dem Freilichtspektakel „Hermann der Krumme oder die Erde ist rund“ (Juni, 2020) ein letztes Highlight der Ära Nix werden.

Theaterschiff Atlantis

Das „Theaterschiff Atlantis“, eine so genannte interaktive Schiffspassage mit Texten von Maximilian Lang (Bregenz) in der Regie des bewährten polnischen Theatermanns Andrej Woron, sollte am 8. Mai 2020 in See stechen. Daraus wir nun nix. Das Theater verzichtet dabei auch eine Förderung des Projekts durch verschiedene Institutionen über 100 000 Euro. Alternativ bringt der Intendant des Theaters, Christof Nix, ein sardinisches Opern-Gastspiel ins Spiel. Im Mittelpunkt steht dabei der italienische Kommunistenführer Antonio Gramsci (1891-1937). (opi)