Der Hieb hat gesessen! Vom Scheitel bis zu den Schneidezähnen spaltete der tödlich geführte Streich das Haupt des fränkischen Kriegers. Der Mann aus dem sechsten oder siebten Jahrhundert, dessen Schädel die Archäologen bei Bad Cannstatt freischaufelten, fiel der gebräuchlichsten Waffe des frühen Mittelalters zum Opfer: dem Sax. Das einschneidige Schwert gab einem ganzen germanischen Völkerverband seinen Namen – den Sachsen.

Klingen aus Eisen, Stahl oder Bronze hatten zu dieser Zeit schon eine lange Karriere hinter sich. In seiner neuen Sonderschau überblickt das Landesmuseum Württemberg den meist kriegerischen, bisweilen aber auch überraschend friedlichen Weg des Schwerts durch die Menschheits-Epochen.

Eindrucksvolle Leihgaben

Hausherrin Cornelia Ewigleben und ihr Kuratoren-Team öffnen nicht nur die eigenen Rüstkammern, sondern haben auch eindrucksvolle auswärtige Leihgaben im Stuttgarter Alten Schloss zusammengetragen. Dabei kreuzt der abwechslungsreiche Parcours Antike und Mittelalter-Historie mit zeitgenössischer Unterhaltung, in der das vormoderne Tötungswerkzeug weiterlebt.

Exemplarisch haben sich die Kuratoren auch einige typische Objekte der populären Fan-Kultur besorgt. Zum Beispiel das Schwert von Godric Gryffindor aus den „Harry Potter“-Verfilmungen. Oder die immer noch auf vielen Weihnachts-Wunschlisten stehenden Lichtschwerter, mit denen die Jedi-Ritter in „Stars Wars“ ihre Fehden austragen.

Film-Fans von heute kennen auch die Lichtschwerter aus dem "Star Wars"-Universum – hier Darth Vader.
Film-Fans von heute kennen auch die Lichtschwerter aus dem "Star Wars"-Universum – hier Darth Vader. | Bild: Landesmuseum Württemberg / Hendrik Zwietasch

Vor 40 Jahren hätte man vermutlich noch gesagt, das Thema sei nur etwas für kleine und große Jungs. Doch diesem Klischee haben moderne Film- beziehungsweise Serienheldinnen den Todesstoß versetzt. Mit Figuren wie Arya aus „Game Of Thrones“ oder der blonden Rächerin aus „Kill Bill“ lassen immer öfter Frauen die Klingen klirren.

Allerdings wackelte die Männerdomäne Schwert schon in der Antike. Eine altgriechische Vasenmalerei im Landesmuseum lässt vermuten, dass die kriegerischen Amazonen ganz selbstverständlich das Kampfeisen benutzten. Eventuell gehören auch die schwerttragenden Nibelungenbräute Kriemhild und Brünhild nicht allein ins Reich der Legende. Das um 1300 entstandene „Tower-Fechtbuch“ jedenfalls dokumentiert, wie sich mittelalterliche Burgdamen im Umgang mit der Hieb- und Stichwaffe übten.

Für jeden ist etwas dabei

Die Ausstellungs-Regie berücksichtigt also nicht nur beide Geschlechter, sondern denkt auch, wie es sich für eine Familien-Schau gehört, an unterschiedliche Altersstufen und Interessen. So gibt es Spiel- und Mitmach-Stationen. Man kann sich in rotsamtenem Ambiente zum Ritter (beziehungsweise zur Ritterin) schlagen lassen oder dank moderner Video-Technik selbst virtuelle Fechterpositionen einnehmen.

Dann wieder tut sich ein mystischer Nebelwald auf, mit einem Felsen, in dem König Artus‘ Zauberschwert Excalibur steckt. Nicht zuletzt solche theatralischen Kulissen und die Foto-Erlaubnis sorgen dafür, dass so mancher Besucher die Schau mit ein paar Selfies mehr auf dem Smartphone verlassen dürfte.

Ein Blick in die Ausstellung "Faszination Schwert" im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart.
Ein Blick in die Ausstellung "Faszination Schwert" im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. | Bild: Landesmuseum Württemberg / Martin Sigmund

Jenseits der Spaß-Momente vermitteln die rund 340 Exponate aber auch eine ganze Menge Wissen. Etwa über den Ursprung der Militärtechnologie. Während Faustkeile, Äxte oder Pfeil und Bogen zunächst für die Arbeit oder die Jagd entwickelt wurden, sind Schwerter das erste reine Kriegsgerät des Menschen. Obwohl eines der ältesten Exemplare in Stuttgart nicht unbedingt danach aussieht. Ein kurzes Bronzeschwert, zu datieren auf die Zeit zwischen dem 17. und 19. vorchristlichen Jahrhundert, könnte für Laienaugen auch als zu groß geratener Tortenheber durchgehen. Fachsprachlich firmiert dieser Typus unter dem Begriff „Vollgriffdolch“, doch bald sollten die Messer länger werden.

Von frühen keltischen Funden über den Gladius der römischen Legionäre bis zum einschüchternden Bidenhänder (ein Zweihandschwert von 1,80 Metern Länge) sind unterschiedlichste Ausprägungen der Schwertform zu bestaunen. Die Schmiede standen in einem beständigen Wettlauf mit anderen Errungenschaften der Kriegs-Industrie. Als zum Beispiel die Rüstungen im Spätmittelalter immer robuster wurden, kamen lange Spitzklingen auf, die auch noch den stabilsten Panzer zu durchbohren vermochten.

Alles andere als ermüdend

Leicht könnte sich diese Waffen-Typologie in dumpf scheppernder Spezialwissenschaft ermüden. Doch es gelingt den Ausstellungsmachern, die diversen Schwerter in einen Dialog mit anderen Zeugnissen der jeweiligen Epoche zu bringen. Während Säulensockel römische Soldaten mit gezücktem Stahl zeigen, geben uns die Illustrationen in den Lehrbüchern der Wundärzte eine Vorstellung für die typischen Verwundungen des Schwertkampfes.

Manches, was aus den Stuttgarter Vitrinen herausblinkt, war dagegen für die Schlacht zu schade. Verzierungen, Goldgriffe oder Inschriften verraten, dass es sich um reine Prunk- oder Repräsentations-Gegenstände handelt. Wahrscheinlich ist auch Eberhard im Bart mit jenem Schwert, das er 1495 bei seiner Ernennung zum Herzog von Württemberg erhielt, niemals auf den Feind losgeprescht – wenngleich ihn die Reiterstatue im Innenhof des Alten Schlosses als Feldherr mit der gezückten Staatswaffe in der erhobenen Rechten verewigt.

Das Schwert als Symbol

Bereits bei den Kelten beschränkte sich die Rolle des Schwerts nicht auf seine martialische Verwendung. Es war Erkennungszeichen einer Kriegerkaste, Emblem der Macht, Begleiter ins Jenseits. Symbolische Funktionen, die aus der Bronzezeit bis in unsere zivile Gegenwart hineinragen. Überlebt hat das Schwert etwa in manchem hoheitlichen Wappen sowie als allegorisches Requisit der Gerechtigkeit.

Auch Queen Elizabeth II. nutzt es, wenn sie jemanden in den Adelsstand erhebt. Nicht zuletzt finden sich die Holz- und Plastikvarianten der Zweikampfwaffe in fast jeder Spielkiste, sogar in pazifistischen Haushalten. Was nur oberflächlich ein Widerspruch ist: Zumindest in Darstellungen von Sankt Martin, der seinen Mantel teilt, erscheint der Griff zum Schwert als sozialer Akt.

Die Ausstellung "Faszination Schwert" ist bis zum 28. April 2019 im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Alle Informationen dazu finden Sie hier.