Das diesjährige Konstanzer Chorfestival, das den A-Cappella-Gesang in den Vordergrund stellte, endete mit einem Parade-Beispiel dieses Genres. Die legendären Swingle Singers aus London anzuwerben, war den Organisatoren Michael Auer, Steffen Schreyer und Michael Stadtherr gelungen.

Münsterchordirektor Steffen Schreyer brachte es in seiner spritzigen Anmoderation auf den Punkt: Indem ihn angeblich seine Mutter auf dem Handy anrief, berichtete er von den Anfängen des Vokalensembles in den 1960er Jahren in Paris. Seither wechselten die Mitglieder natürlich – Joanna Goldsmith-Eteson, Frederica Basile, Liz Swain, Oliver Griffiths, Jon Smith, Kevin Fox und Edward Randell sind junge Sänger und Sängerinnen, die das Erbe von Ward Swingle pflegen, der die Gruppe 1962 gründete. Einige ältere Semester im Publikum dürften noch die ersten LPs der Gruppe in ihren Plattenschränken hüten.

Die alten Arrangements fesseln noch immer

Die frühen Arrangements von Ward Swingle, der Werke von Johann Sebastian Bach jazzig ummantelte, die Melodien und Begleitstimmen in sinnfreie, gesungene Silben übersetzte, fesseln noch immer: Die in feinen Klangwolken schwebende „Air“, mit sanften Besen-Tupfern vom freilich nur mit dem Mund erzeugten Schlagzeug, die flotte „Badinerie“ oder die komplexe d-Moll-Fuge, ursprünglich für Orgel geschrieben. Hier war perfekt zu verfolgen, wie sich die Stimmen „unterhalten“, sich kontrastieren, einander verfolgen, das Thema weiterreichen.

Neben selbst geschriebenen Songs und den aus eigenen Reihen arrangierten findet die Gruppe faszinierende Umsetzungen von traditioneller Welt-Musik und Folklore. Umwerfend lebendig das bulgarische „Bucinus“, ein wirbelnder Rundtanz mit überkicksender Stimme des Vorsängers und untermalender Mouth Percussion, mit geloopten Passagen und eingebundenen, vieltaktigen Klatschrhythmen. „It‘s our most dangerous piece“, gesteht ein Sänger eingangs augenzwinkernd.

Auch das Publikum wird aktiviert

Ein Herren-Duo aus den Reihen des Ensembles hat den jazzigen Scat-Gesang perfektioniert und aktiviert auch das Publikum: Die Hände zupfen den imaginären Bass, die Stimmen imitieren ihn und die Zuhörer im vollbesetzten Kirchenschiff wiederholen die gesungenen Phrasen – bis sie bei den immer komplexer werdenden Folgen passen müssen.

Aber auch in den vielen gefühlvoll aufgeladenen Balladen, wie etwa „Tokyo Sunrise“ oder „After The Storm“ zeigen die Sänger, wie perfekt sie intonieren, wie fein sie dynamisieren und wie homogen sie ihre Klänge ausbalancieren. Begeisterten Beifall gibt es für den gepflegten A-Cappella-Gesang und als Zugabe das heftige „15 Step“ von Radiohead und das intime „Blackbird“ von den Beatles.

Eine ausgezeichnete Klangregie von den Mischpulten und ausgefeilte Licht-Installationen schufen im Konstanzer Münster zusammen mit dem makellosen Gesang ein Gesamtkonzept, das des Festival-Höhepunktes würdig war.