Alles erscheint vertraut, aber alles ist anders geworden: Das frühere Laxdal-Theater in Kaiserstuhl/CH hatte Ende 2016 nach 30 Jahren geschlossen. Jetzt eröffnete das neue Theater Kaiserbühne an gleichem Ort mit der Premiere unter Leitung des alten und neuen Spielleiters und Schauspielers Peter Niklaus Steiner. Gespielt wurde „Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans (Regie: Sarah Bellin). Steiner dankte nach der Premiere den Besuchern: „Wir brauchen Sie beim Neuanfang und hoffen weiterhin auf Ihre Unterstützung.“

Es wird ein ergreifender, berührender, aber auch heiterer Abend: Ein Ehepaar trifft sich nach zehn Jahren Trennung auf dem Friedhof wieder, wo ihr gemeinsamer Sohn damals nach einem Unfall beerdigt wurde. Wegen Giftemissionen soll sein Grab umgebettet werden. Jetzt warten sie auf die Friedhofsverwaltung: Er (Peter Niklaus Steiner), Journalist, hat damals seine Frau ohne Angabe von Gründen in der Silvesternacht verlassen, ist nach Frankreich gegangen und hat inzwischen eine neue Frau geheiratet, die von ihm ein Baby erwartet. Sie (Anette Wunsch) ist allein im Haus zurückgeblieben, hat verbittert gewartet und keine neuen Freunde gefunden. Beide sind neugierig auf diese erste Begegnung nach langer Zeit.

Der Abend wurde ein äußerst emotionales Kammerspiel, ganz konzentriert auf verdrängte und neue Verletzungen. Aber da gibt es auch zarte Berührungen und Erinnerungen an gute Momente in ihrem gemeinsamen Leben.

Das Stück erinnert manchmal an eine griechische Tragödie. Während er nach vorne blicken kann und einen neuen Sinn in seinem Leben sucht, blickt sie vorwurfsvoll und verzweifelt zurück. Gefühle explodieren: Vor allem Annette Wunsch spielt sensibel, nervös und explosiv, während Peter Niklaus Steiner sich eher cool gibt und beherrscht beobachtet. Bis sich Beide dann doch von einer Welle der Zärtlichkeit erfassen lassen und ein fast heiteres Picknick auf dem Friedhof improvisieren. „Mehr können wir nicht daraus machen“, sagt sie fast zärtlich am Schluss. Ein mutiges, ergreifendes Stück mit zwei hervorragenden Schauspielern!

Termine: Drei weitere Vorführungen gibt es am 25. und 27. Mai (20 Uhr) und am 28. Mai (16 Uhr). Karten per E-Mail (info@kaiserbuehne.ch) oder unter Telefon 00414485/828 63. Ab 13. Oktober bis Silvester folgt die Komödie „Utopia“.