Für Oswald von Wolkenstein war Konstanz vor allem eins: ein teures Pflaster: "Denk' ich an den Bodensee, tut mir gleich der Beutel weh." Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass die Veranstalter des Konziljubiläums das letzte Jahr der Feierlichkeiten einem Mann widmen, der vor allem für seine Spottverse und seine Liebe der Konstanzer Nachtcafés bekannt war. Einem fahrenden Sänger und Söldner, der viele seiner Gedichte dem Rausch und den sinnlichen Freuden widmete.

Für Ruth Bader ist das kein Widerspruch. Die Geschäftsführerin der Konzilstadt Konstanz beschreibt Wolkenstein als scharfsinnigen Beobachter, dem es in seinen Versen gelang, die Ereignisse rund um die Konstanzer Papstwahl einzuordnen. "Er hat sich zum Beispiel intensiv mit dem Reformator Jan Hus auseinandergesetzt."

Als mittelalterlicher Posterboy übernimmt der Sänger die Schirmherrschaft eines Jahres, das ganz der Kultur gewidmet ist. Dabei richten die Veranstalter den Blick über das Konzil selbst hinaus. "Zum Ende des Jubiläums wollen wir die kulturelle Rezeptionsgeschichte in den Vordergrund stellen", erklärt Bader. Das Konzil als Inspirationsquelle, die auch sechs Jahrhunderte später sprudelt. Den Beweis tritt die Veranstaltungsreihe "Minne meets Poetry" an. Vom 7. bis 11. März treffen Vertreter europäischer Lyrik auf aktuelle Sprachkünstler, Klassik auf Moderne. Ein Höhepunkt: Der Auftritt von Deutschrapper Curse, Violinist Miki Kekenj und der Südwestdeutschen Philharmonie in der Schänzlehalle. Auch die Studenten von Uni und Hochschule verschmelzen alt mit neu. Im Turm am Kulturzentrum setzen sie die Lieder Wolkensteins in Szene. Installationen sollen den Sänger erfahrbar machen und seine Sprache in zeitgemäße Bilder übersetzen.

Ein weiteres Glanzlicht im Programm ist die Oper "La Juive" von Jacques F. Halévy. "Wir spielen die Oper zum ersten Mal an ihren Originalschauplätzen", verrät der Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie, Beat Fehlmann. "La Juive" beschreibt er als "Grande Opera – ein echter spätromantischer Schinken." Soll heißen: eine besonders aufwendig inszenierte Oper. In Konstanz wird die Geschichte um die verbotene Beziehung der jüdischen Goldschmiedstochter mit ihrem katholischen Liebhaber an drei Orten in Szene gesetzt. Die Aufführung beginnt im Innenhof des Kulturzentrums bevor die Besucher in die ehemalige Kirche Sankt Johann und schließlich in die Lutherkirche geleitet werden.

Bereits acht Monate vor dem Ende der Feierlichkeiten zieht Oberbürgermeister Uli Burchardt ein positives Fazit: "Es ist uns gelungen, das Jubiläum in Würde zu begehen." Er sei froh, dass man sich für das Motto "Europa zu Gast" entschieden hat. Passend dazu schließt das Jubiläum mit einem Signal für den friedvollen Dialog – einem Friedensgebet auf dem Sankt-Stephans-Platz.