Was für eine lange Tradition! Im Jahre 1976 – da wurde ein gewisser Jimmy Carter Präsident der USA, und in Deutschland regierte Bundeskanzler Helmut Schmidt – ging das erste Winterthur Open Air über die Bühne, es ist damit das älteste ununterbrochen veranstaltete Popmusik-Festival der Schweiz. Legendäre Konzerte fanden in diesen 42 Jahren hier schon statt: etwa mit Iggy Pop (1988), mit Green Day (1996), mit Muse (2001) oder mit Franz Ferdinand (2012). Besonders reizvoll ist das Ambiente mitten in der Altstadt: in der Steinberggasse und auf dem Kirchplatz. Wer das Glück hat, hier zu wohnen, kann alle Auftritte vom Wohnzimmerfenster aus verfolgen – selbstverständlich gratis.

Die kanadische Combo Billy Talent ist dieses Jahr wohl die Hauptattraktion des Festivals (Samstag, 18. 8.). In der Region sind die Musiker alte Bekannte: Sowohl beim Konstanzer Rock am See als auch beim Southside-Festival in Neuhausen ob Eck traten sie schon auf (auch 2018 stehen sie hier wieder auf dem Programm). Ursprünglich kommt die Band vom Punk her, hat sich jedoch inzwischen ein wenig in Richtung Alternative Rock bewegt – auf jeden Fall wird es laut und knallig werden, aber die Steinberggasse hat ja zum Glück schon etliche Dezibelattacken heil überstanden.

Die vielleicht beste zeitgenössische deutsche Rockband gibt sich am Freitag, 17. 8., die Ehre: Tocotronic, seit ihrem im letzten Januar veröffentlichten (zwölften) Studioalbum „Die Unendlichkeit“ wieder voll an Deck. Als sie vor vielen Jahren zum ersten Mal in Winterthur spielten, in einem kleinen Zelt auf dem Kirchplatz, standen die Besucher zum Schluss begeistert auf den Biertischen und -bänken, und aus dem guten Dutzend Teenie-Girls, die sich direkt vor der Bühne versammelt hatten, flogen Teddybären und andere Kuscheltiere auf die Bühne. Derartige Liebesbeweise sind heute wohl nicht mehr in Mode, aber auch so dürfte es in der Steinberggasse an diesem Abend ziemlich turbulent werden – auch in der Schweiz ist die Gruppe um den wortgewaltigen Frontmann Dirk von Lowtzow ungemein populär.

Mit verführerischem Elektro-Pop spielen sich seit 1999 Metronomy in die Herzen der Pop-Fans. Sowohl live als auch im Studio macht sich die britische Band ausgesprochen rar: Auf ganze fünf Alben brachte sie es seit ihrer Gründung. Am Sonntag, 19. 8., gastiert sie in der Steinberggasse, im Gepäck die aktuelle CD „Summer 08“.

Weitere Attraktionen: die deutsche Hip-Hop-Combo Beginner (Freitag, 17. 8.), die holländischen Retro-Rocker DeWolff (Donnerstag, 16. 8.), der deutsche Liedermacher Gisbert zu Knyphausen (Montag, 13. 8.), die Black Sabbath-Epigonen Kadavar (Donnerstag, 16. 8.) und die Flensburger Punkrocker Turbostaat (Samstag, 18. 8.). Die Indie Pop-Newcomer Von wegen Lisbeth überzeugten ja erst vor ein paar Tagen beim 4. Campusfestival an der Konstanzer Uni ein großes Publikum – am Mittwoch, 8. 8., treten sie in Winterthur auf. Und auch einen echten Lokalmatador engagierten die Programmverantwortlichen des Festivals: den Rapper Tobi alias Wiit und Breit: Am Freitag, 10. 8., wird er die Bühne auf der Steinberggasse entern, unterstützt von einer Live-Band.

Winterthurer Musikfestwochen: 9.–20. August. Infos: ww.musikfestwochen.ch